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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2013
Da sein, wo die Wunden der Welt sind
Der Inhalt:

»Unsere Schweine und das Brot der Armen«

von Bettina Röder vom 20.12.2013
Nächstenliebe allein reicht nicht. Die Politik muss Rahmen schaffen, erklärt der Entwicklungsexperte Thilo Hoppe

Herr Hoppe, es gibt allen Klagen über Egoismus zum Trotz viel Nächstenliebe, auch für Menschen in der Ferne, die Not leiden. Reicht das?

Thilo Hoppe: Nächstenliebe unter Menschen – auch den fernsten Nächsten gegenüber – ist sehr wichtig, reicht aber alleine nicht. Wir brauche eine Entwicklungspolitik, in der es in erster Linie um Gerechtigkeit geht. Statt der Entwicklungshilfe alter Prägung ist eine internationale Zusammenarbeit notwendig für eine menschenrechtsbasierte, nachhaltige Entwicklung.

Was heißt das konkret?

Hoppe: Dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollen, um auch in Würde und Sicherheit leben zu können. Dies hängt von vielen Bedingungen ab, aber vor allem von gerechteren Strukturen im Welthandel.

Haben Sie ein Beispiel?

Hoppe: In mehreren Ländern, in denen Menschen hungern, werden riesige Flächen zum Anbau von Futtermitteln für unsere Fleischproduktion missbraucht. Das macht deutlich, dass buchstäblich unsere Kühe und Schweine das Brot der Armen fressen. Da wären wirklich andere Formen der Zusammenarbeit notwendig, die dem Menschenrecht auf Nahrung mehr Geltung verschaffen.

Warum tut sich die Politik so schwer, dafür zu sorgen, mehr Geld in die Entwicklungszusammenarbeit zu investieren?

Hoppe: In der letzten Wahlperiode hatte ich einen Aufruf initiiert, den sechzig Prozent der Parlamentarier des Deutschen Bundestages unterschrieben haben. Wir forderten, die Mittel für den Kampf gegen extreme Armut und Hunger Jahr um Jahr um 1,2 Milliarden zu erhöhen. Doch auch im aktuellen Koalitionsvertrag ist lediglich von Steigerungsraten von 200 Millionen die Rede. In den großen Parteien herrscht wohl die Meinung vor, dass die Mehrheit der Bevölkerung es gar nicht gutheißen würde, wenn viel Geld für notleidende Menschen in Afrika, Lateinamerika und Asien ausgegeben wird. Ich glaube, das ist eine grobe Fehleinschätzung. Die Menschen sehen die Notwendigkeit globaler Solidarität.

Gibt es nicht auch Missbrauch?

Hoppe: Wie überall, so werden auch in der Entwicklungszusammenarbeit Fehler gemacht. Ich habe auf vielen Reisen in Entwicklungsländern jedoch den Eindruck gewonnen – und Evaluierungsberichte bestätigen das –, dass

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