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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2013
Da sein, wo die Wunden der Welt sind
Der Inhalt:

Der Aufstand der Priester

von Britta Baas vom 20.12.2013
Katholische Kirchenreform geschieht nicht mehr allein von unten. Jetzt will sie auch der Klerus. Der neue Papst gibt Rückendeckung

Was so ein Papstwechsel nicht alles bewirken kann: Seit Franziskus von Rom aus die römische Weltkirche regiert, weht ein neuer Wind. Das Katholische steht plötzlich nicht mehr für Statik, sondern für Dynamik. Von Aufbruch ist die Rede, von Dialog und Gerechtigkeit. Und so ist es jetzt en vogue, mit dem innovativen Papst gegen Beton-Bischöfe zu argumentieren. Weltweit. Besonders aber in der deutschsprachigen Kirche.

Das Katholische kannte bislang den Protest derer »von unten« gegen »die da oben«. Gemäß der Aufteilung der katholischen Menschheit in »Laien« und »Priester« waren es Laienbewegungen, die auf die Installierung eines synodalen Prinzips und eine transparente Machtausübung pochten.

Als die Bewegung Wir sind Kirche im Jahr 1995 das Kirchenvolksbegehren startete, ahnte man in Rom nicht, dass daraus eine Bewegung der Millionen werden würde. Was der Stand der »Laien« – also der nicht Geweihten – forderte, stellte sich bald auch als Wunsch einzelner Priester heraus: Die eigene Kirche möge geschwisterlicher werden, die Gleichberechtigung der Frauen wahr machen, den Geistlichen die zölibatäre Lebensform nicht mehr aufzwingen, Sexualität positiv bewerten und von der vielfach vernommenen »Drohbotschaft« endlich zur »Frohbotschaft« übergehen.

Mittlerweile sind 18 Jahre vergangenen. Es mag Zufall sein oder auch nicht: Just im Jahr der Volljährigkeit des kircheninternen Protests sind es Priesterinitiativen, die mit dem Kirchenvolksbegehren Ernst machen wollen. Der »höhere Stand« will nicht mehr akzeptieren, dass die eigene Kirche »durch Klerikalismus und erstarrte hierarchische Strukturen gelähmt« wird: So sagt es zum Beispiel der Münchner Kreis, eine Gruppe von Priestern und Diakonen. Mit wachsendem Unmut nehmen sie wahr, dass über brennende Probleme kein wirklicher Dialog in der Kirche entsteht, wiewohl der Wille zum Dialogisieren von Bischöfen immer wieder behauptet wird und mit der sogenannten Dialoginitiative auch umgesetzt zu werden scheint.

Doch die Priester und Diakone beobachten anderes: eine Zementierung der »Zwei-Kasten-Gesellschaft« auf Wunsch vieler Bischöfe, verbunden mit immer höheren Erwartungen an die Priester. In Zeiten des Katholiken- und Priesterschwunds sollen die einzelnen Geistlichen immer mehr Gemeinden gleichz

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