Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2012
Jesu Geburt: Die Würde der Ohnmächtigen
Der Inhalt:

Der wahre Preis des Lebens

von Felix Ekardt vom 21.12.2012
Öko-Debatten gibt es viele. Doch kaum jemand spricht darüber, dass der lebenswichtige Rohstoff Phosphor immer knapper wird

Bei schwindenden Ressourcen und drastischen Umweltschäden denken viele an den Klimawandel. Es gibt aber ein weiteres wichtiges Thema, das von Politik und Gesellschaft bisher fast völlig übersehen wird: Der Menschheit geht die lebenswichtige, für die Nahrungsproduktion unentbehrliche Ressource Phosphor aus. Das ist das vielleicht größte Problem endlicher Ressourcen neben den fossilen Brennstoffen. Phosphor ist ein Kernbestandteil von Dünger und kann durch keinen anderen Stoff ersetzt werden. Schätzungen zufolge werden die globalen Rohphosphatreserven in fünfzig bis hundert Jahren erschöpft sein.

Dennoch wird Phosphor heute massiv verschwendet: Besonders die Viehwirtschaft und der hohe Fleischkonsum in westlichen Ländern verbrauchen im Futtermittelanbau große Mengen davon. Eine tierische Kalorie braucht vier bis zwölf pflanzliche Futtermittel-Kalorien, um erzeugt zu werden. Außerdem ist die mit der Viehwirtschaft anfallende tierische Gülle ein Umweltproblem. Sie kann zwar manchmal den Dünger ersetzen. Die gedüngten Pflanzen können jedoch die großen Mengen nicht aufnehmen. Dadurch schädigt die Gülle Böden und Gewässer. Die Algenblüte in Meeren ist eine sichtbare Folge.

Wachstum schlägt Ersparnis. Die Politik ignoriert Phosphor als Ressourcenproblem bisher weitgehend. Die für das Umweltrecht typischen Verbote oder Effizienzregeln können ein Mengenproblem wie das beim Phosphor nie lösen. Typisch für das Umweltrecht sind etwa die zarten Ansätze, eine bestimmte zulässige Einsatzmenge von Phosphor pro Pflanze oder pro Ackerfläche vorzuschreiben. Solche Ansätze übersehen jedoch eine Kerneinsicht, an der die gesamte Umweltpolitik oft vorbeigeht: Gebote, pro Pflanze weniger zu düngen, bringen nicht die nötige deutliche Verringerung der Einsatzmengen, wenn gleichzeitig die Weltagrarproduktion weiter steigt. Dies geschieht etwa durch Bioenergiepflanzen für den Tank oder einen steigenden globalen Fleischkonsum.

Die für das Umweltrecht so typische verkürzende Betrachtung vom Einzelfall her übersieht also einen »Rebound-Effekt«. Anders ausgedrückt: Die Politik blendet schlicht aus, dass Wachstum Einspareffekte sinnlos macht. Deshalb lässt sich das Ganze auch nicht rein technisch lösen: etwa indem man mit Gentechnik Pflanzen züchtet, die mit ein paar Prozent weniger Dünger auskommen. Die weltweit steigende Anbaumenge würde diesen Effekt einfach auffr

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen