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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Guten AbendCoco

von Gerhard Endres vom 04.05.2012
»Wer den Swing in sich hat, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren«. Ein Gespräch mit einer Jazzlegende

Coco Schumann wurde im Mai 1924 geboren und stand mit 14 Jahren auf der Bühne, zuerst als Schlagzeuger, später als Gitarrist. Er spielte nach dem Zweiten Weltkrieg mit fast allen bekannten Jazzmusikern, vor allem mit Helmut Zacharias, dem damaligen Wundergeiger, und amerikanischen Musikern, wenn diese in Berlin auftraten. In der Berliner und deutschen Swing- und Jazzszene wurde Coco Schumann bald zum stilbildenden Gitarristen. Erst 1977 begann Schumann, über seine Zeit in den verschiedenen Konzentrationslagern zu sprechen. Er betont immer wieder: »Ich bin Musiker. Ein Musiker, der im KZ gesessen hat, kein KZler, der Musik macht. Ich habe viel zu sagen. Die Richtung ist klar: Back to the roots, in jene Welt, in der meine Seele zu Hause ist, in den Swing. Wer den Swing in sich hat, ob er im Saal steht oder auf der Bühne, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren« (aus: »Coco Schumann Der Ghetto-Swinger. Eine Jazzlegende erzählt«).

Herr Schumann, Sie sind im Mai 1924 geboren und spielen schon sehr lange Jazz. Wann haben Sie damit begonnen?

Coco Schumann: Ich war schon als Kind sehr musikbegeistert. Meine Eltern haben mir erzählt, wenn ich ein Klavier gesehen habe, konnte ich mich nicht zurückhalten, ich musste darauf herumklimpern. Mein Onkel hatte ein Friseurgeschäft und spielte nebenbei Schlagzeug mit einer Zigeunerkapelle. Dann wanderte er noch vor dem Krieg nach Südamerika aus und hinterließ mir sein Schlagzeug. So begann ich mit dem Schlagzeugspielen. Mein erstes Geld habe ich damit an Silvester verdient. Ich glaube, ich war 15 oder 16 Jahre alt und habe dem Wirt erzählt, dass ich ein Schlagzeug geschenkt bekommen habe. Dann sagte er, dann kannst du ja an Silvester bei mir spielen, ich habe einen Pianisten engagiert. Da habe ich mir die ersten fünf Mark mit dem Schlagzeug verdient.

Und dann wechselten Sie vom Schlagzeug zur Gitarre?

Coco Schumann: Ich interessierte mich für Rhythmik und begann mit der Schlaggitarre im Jazz. Vor der Gitarre war das Banjo im Jazz stilbildend. Mein Cousin schenkte mir seine Klampfe, eine Wandergitarre, da er selbst im Krieg eingezogen wurde. In der Schule hatten wir einen Lehrer, der unterrichtete Deutsch und Musik. Der Musikunterricht bestand darin, dass er seine Gitarre mitbrachte und uns singen ließ. Dann sagte ich: Herr Dr. Balin, ein Cousin hat mir seine Gitarre

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