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Wenn Josef die Hosen auszieht

Der Mann muss auf die Träume hören, damit er richtig handelt
von Anselm Grün vom 15.12.2000 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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Auf den Weihnachtsbildern wird Josef erst seit dem 6. Jahrhundert dargestellt. Manchmal wird er mit einem kegelförmigen Judenhut gezeigt als Vertreter des Alten Testamentes oder der jüdischen Synagoge. Auf den Ikonen erklärt einem nachdenklichen Josef der Prophet Jesaja das Geheimnis der jungfräulichen Geburt. Im späten Mittelalter wird Josef auf den Weihnachtdarstellungen zunehmend aktiver. Da hilft er als Hausmann bei der Zubereitung das Bades. Er schürt das Feuer oder kümmert sich um das Essen. Häufig hat er die Schuhe ausgezogen. Das erinnert an Mose, der vor dem brennenden Dornbusch die Schuhe ausziehen musste, um seine Ehrfurcht vor dem heiligen Boden zum Ausdruck zu bringen. Auf manchen Bildern spielen die Hosen Josefs eine Rolle. Er zieht sie sich gerade aus oder hat sie sich schon ausgezogen, um damit das nackte Jesuskind zu bedecken. Seine Hosen werden zu den Windeln, mit denen das Kind gewickelt wird. Bei einem Kurs über die Weihnachtssymbole erregte gerade dieses Bild das Interesse der Teilnehmer. Wenn Josef die Hosen auszieht, so kann es heißen, dass er ohne Maske und Rolle, sondern nackt, so wie er in Wirklichkeit ist, sich dem Geheimnis der Menschwerdung naht. Die Redewendung »er oder sie hat die Hosen an« drückt die Dominanz eines Ehepartners aus. Josef gibt jede Dominanz auf, er tritt zurück in seiner Rolle als Vater. Er kann nur staunend vor dem Kind stehen. Martin Luther wehrt sich gegen diese »liederlichen« Josefsdarstellungen, während die visionäre Nonne Margarete Ebner in einer Vision auf ihre Frage, warum Josef gerade die Hosen dem göttlichen Kind als Wickeln reichte, die Antwort Jesu erhielt: »Er wickelte mich in das, was er hatte; er hatte nicht das, was mir ziemte.« Dann ist es eine Ermutigung, gerade mit dem, was wir haben, das göttliche Kind zu wickeln, ohne Angst, ob das, was wir zu bieten haben, auch gut genug sei und passe.

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