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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Buch des Monats: Gott überall und nirgends

von Norbert Copray vom 07.12.2018
Was sich aus der Bibel über Migration lernen lässt

Johann Hinrich Claussen
Das Buch der Flucht
Die Bibel in 40 Stationen. C. H. Beck. 332 Seiten. 24,95 €

Wenn die angeblichen Verteidiger des christlichen Abendlands wüssten, wie zentral in der Bibel Flucht, Vertreibung, Heimatverlust und -suche sind und wie oft vehement die Aufnahme des Fremden, des Geflüchteten und Vertriebenen im Namen Gottes verlangt wird, würden sie entweder schweigen oder sich texttreu zur biblischen Botschaft bekehren.

In Kassel musste ein anlässlich der Documenta aufgestellter Obelisk des Künstlers Olu Oguibe mit der Aufschrift: »Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt« (Matthäus 25, 35), aus der Gerichtsrede Jesu, entfernt werden. Gegen Denkmal und Aufschrift hatten sich die AfD und eine beträchtliche Zahl Bürger vehement ausgesprochen. Ihr Stadtverordneter sprach in Anspielung auf die Schmähung der modernen Kunst durch die Nationalsozialisten als »entartete Kunst« von »ideologisch polarisierender, entstellter Kunst« und forderte den Künstler auf, sein Werk besser einzupacken, anstatt die Stadt weiter mit diesem »unsäglichen Thema« zu gängeln.

Nach einem überschaubaren Engagement bis in die Nacht für Geflüchtete in München greift Johann Hinrich Claussen am Morgen zur Bibel und blättert, um sich aufwecken, vielleicht auch trösten zu lassen. Er entdeckt, wie massiv das Fluchtthema in der Bibel ist, wie es vielfach zum Motor für Neues, für Kritik, für Perspektivwechsel wird: »Wer in dieser Perspektive die Bibel liest, dem geht auf, dass sie ein Menschheitsbuch ist, in dem sich die Erfahrungen der Gegenwart widerspiegeln können. Das heißt natürlich nicht, dass aus den biblischen Erzählungen und Weisungen unmittelbare Erkenntnisse darüber zu gewinnen wären, wie man heute mit Flucht- und Wanderungsbewegungen umgehen sollte. Aber die Wahrnehmung wird dafür geschärft, dass das Abendland aus dem Morgenland stammt und ohne dieses nicht zu denken ist, dass das Grunddokument des vermeintlich Eigenen ein Buch der Fremden ist, dass es Geschichten und Gedanken enthält, die dazu anstiften, eine eigene Balance aus Barmherzigkeit und Besonnenheit, Nüchternheit und Nächstenliebe zu finden.«

So komponiert der evangelische Pastor und Kulturbeauftragte der EKD aus markanten Passagen der Bibel, die er teilweise frei nacherzählt, teilweise streng am Original orientiert, mitunter eing

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