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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2018
Letzte Zuflucht
Die Christen und der Staat: Das Ringen ums Kirchenasyl
Der Inhalt:

Ewiges Leben ist auch keine Alternative

Das Ende vor Augen: Wie sehr die unbewusste Angst vor dem Tod unser Leben beeinflusst – und was sie uns lehren kann

Im Jahr 1987 machten drei junge Forscher ein Experiment. 22 Richter in Tucson, Arizona, sollten die Kaution für eine Prostituierte festsetzen, die unerlaubt ihrem Gewerbe nachgegangen war. Einige dieser Richter mussten vor der Entscheidung einen Fragebogen ausfüllen, der sie über ihren eigenen Tod nachdenken ließ. Das überraschende Ergebnis: Die Richter aus der Kontrollgruppe, die keinen Fragebogen erhalten hatten, setzten die Kaution auf durchschnittlich fünfzig Dollar fest. Die Richter jedoch, die an ihren Tod erinnert worden waren, urteilten durchweg strenger. Sie verdonnerten die Prostituierte im Schnitt zu einer neun Mal so hohen Kaution.

Die unbewusste Angst vor dem Tod beeinflusst unser gesamtes Denken und Handeln. In der Psychologie gilt das längst als »stabiler Effekt« und konnte durch wissenschaftliche Studien wieder und wieder belegt werden. So reichten den Richtern in Tucson wenige zu beantwortende Fragen, die sie kurz über ihr eigenes Ende hatten nachdenken lassen – »Bitte beschreiben Sie kurz die Gefühle, die der Gedanke an Ihren eigenen Tod bei Ihnen hervorruft« –, um eine gravierende Verhaltensänderung herbeizuführen. Amerikanische Studenten, die man an den Tod erinnerte, befürworteten wesentlich häufiger einen Präventivschlag gegen den Iran als Studenten einer Kontrollgruppe, die man bat, sich an ihr Studienfach zu erinnern. Menschen, die man fragt, »Was, glauben Sie, passiert mit Ihnen, wenn Sie physisch tot sind?«, reagieren ablehnender auf abstrakte Kunst als andere.

Was tun wir, um uns vor dieser Angst zu schützen – und welche Strategien könnten uns helfen, die Einsicht, dass wir sterblich sind, bewusst in unser Leben zu integrieren? Kaum jemand hat sich in den letzten Jahrzehnten