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Forschen wider den Terror

von Christian Urech vom 04.12.2015
Der kamerunische Historiker Adama Ousmanou forscht zu Macht, Religion und Ethnizität im Tschadbecken. Momentan lebt er in Basel

Adama Ousmanou wächst in einer polygamen Familie in Maroua im Norden Kameruns auf. Nach der Primarschule besucht er ein Internat, welches von Christen geleitet wird. Da werden seine lückenhaften Kenntnisse des Islam zum ersten Mal herausgefordert. »Erst später realisierte ich, dass mein Entschluss, Religion und den interreligiösen Dialog ins Zentrum meiner Studien zu stellen, die Wurzeln wohl in jener Zeit hat.«

Er beginnt, Geschichte zu studieren, weil wichtige Aspekte gesellschaftlichen Handelns wie etwa militärische Aktionen nicht experimentell untersucht werden können. »Deshalb muss uns die Geschichte als Laboratorium dienen, um zu verstehen, warum unsere komplexe Spezies sich in gesellschaftlichen Zusammenhängen so verhält, wie sie es tut.« Eigentlich hatte Ousmanou vor, Diplomat zu werden; als die Aufnahme ans Institut für internationale Beziehungen aber nicht klappt, entschliesst er sich, zu promovieren. Titel seiner Doktorarbeit: »Islam, Volkszugehörigkeit und Macht: eine vergleichende Studie über Kamerun, Tschad und Niger von 1960 bis heute«.

Um einem solch breiten Thema gerecht zu werden, ist zusätzliches wissenstheoretisches und methodisches Wissen zu erwerben. Ein japanisches Stipendium ermöglicht es ihm, im Zentrum für vergleichende Studien der Human- und Sozialwissenschaften an der Universität von Nagoya/Japan seine theoretischen und konzeptionellen Zugänge zum Thema zu verbessern. »Das war ein überwältigendes akademisches und persönliches Erlebnis für mich«, rekapituliert der Historiker diese Zeit.

Anschliessend beginnt Adama Ousmanou als promovierter Historiker an der Universität seiner Heimatstadt zu lehren. Ousmanou beschreibt die Situation an seiner Universität so: »Wir leben, lehren und erledigen unsere täglichen Aktivitäten in ständiger Furcht vor neuen Angriffen durch Boko Haram.« Die von der islamistischen Terrororganisation verübten Selbstmordattentate vom 22. Juli 2015 (zwei Mädchen sprengen sich in die Luft, elf Menschen sterben mit ihnen) versetzen ganz Maroua in Angst. Militär und Polizei sind seither allgegenwärtig. »Am 29. Oktober hat das Militär zwei junge Frauen in der Nähe eines Klassenzimmers, in dem unterrichtet wurde, verhaftet. Gerade noch rechtzeitig. Die Bomben, die sie auf sich trugen, konnten entschärft werden«, erzählt Ousmanou.

Die Universität sei ein hochsymbolisches Z

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