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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

Vertrauen, verändern, genießen

vom 06.12.2013
Margot Käßmann im Gespräch: Wie die evangelische Theologin die Zukunft der Christen sieht

Publik-Forum: Frau Käßmann, es gibt eine breite Diskussion darüber, ob und wie das Reformationsjubiläum 2017 gefeiert werden sollte. Und in welcher Form die römisch-katholische Kirche beteiligt sein könnte. Sie sind Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland für dieses Jubiläum. Soll 2017 überhaupt gefeiert werden?

Margot Käßmann:Natürlich wollen wir feiern. Die eine Kirche ist damals unterschiedliche Wege gegangen. Wir Protestanten sind »Erbin der alten Kirche«, wie es Martin Luther formuliert hat. Und es hat sich seitdem vieles ja auch zum Positiven hin verändert. Wir bekriegen uns nicht mehr, wir sitzen an einem Tisch und ringen miteinander um dogmatische Fragen und wie wir in der Welt gemeinsam handeln können. Hundert Jahre ökumenische Bewegung: Das können wir feiern. Nach dem Holocaust haben wir Christen begriffen, dass die Juden Geschwister im Glauben sind. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Katholiken und Protestanten können feiern, dass wir heute gemeinsam über Rechtfertigung sprechen können. Die Lutheraner und Reformierten können feiern, dass sie die Spaltung überwinden konnten und heute zusammen Abendmahl feiern.

Und das alles wollen Sie mit der katholischen Kirche zusammen machen, die ja in der Reformation eher ein Spaltungsgeschehen sieht?

Käßmann:Reformationsjubiläen waren immer Kennzeichen ihrer Zeit. Wenn die Menschen nach den Feierlichkeiten 2017 sagen könnten, dass dies das erste Reformationsjubiläum mit ökumenischer Beteiligung und weltweitem Horizont gewesen war, dann wäre ich sehr zufrieden. Mein Herzensanliegen ist die Weltausstellung der Reformation in Wittenberg, weil ich mir wünsche, dass Koreaner, Amerikaner, Brasilianer, Indonesier und viele andere kommen und unseren deutschen Horizont erweitern. Und ich wünsche mir eine eindrückliche Symbolhandlung der Versöhnung im Jahr 2017.

Wie könnte die aussehen?

Käßmann: Beim Ökumenischen Kirchentag 2003 haben wir gemeinsam die Erinnerung an die Taufe als verbindendes Sakrament gefeiert. Wir haben einander mit Wasser ein Kreuz auf die Stirn gemacht. Das hat zwar auf manche Evangelische sehr katholisch gewirkt, die Menschen aber doch sehr berührt. Ich wünsche mir ein neues Zeichen dieser Art. Die Menschen brauchen Bilder für das, was an versöhnter Verschi

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