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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

Franziskus macht Revolution

von Thomas Seiterich vom 06.12.2013
Nimmt man die umstürzlerische Regierungserklärung des Papstes ernst, bleibt in der katholischen Kirche kein Stein auf dem anderen. Was an den Rändern war, rückt jetzt ins Zentrum – mit Folgen für jeden einzelnen Christen

Die Zustimmung zum neuen Lehrschreiben von Papst Franziskus überwiegt bei Weitem, vor allem bei den Katholiken in der Dritten Welt. Doch es gibt auch Kritik, vor allem von Verteidigern der Marktwirtschaft. Kaum ist der vatikanische Donnerschlag der Regierungserklärung des Papstes, Evangelii gaudium (»Die Freude des Evangeliums«), ein wenig verhallt, stellt sich die spannende Frage: Was folgt denn nun aus dem Revolutionsaufruf des römischen Pontifex für die Christen und vor allem für die katholische Kirche?

Franziskus geht es um einen radikalen Kurswechsel. Seit seiner Wahl im März verging kaum ein Tag, an dem er nicht in symbolträchtigen Gesten und Ansprachen gezeigt hätte, dass er mit der autoritären und selbstherrlichen Gestalt der römischen Kirche brechen will. Nun legt er acht Monate nach Amtsantritt das erste umfangreiche Dokument aus eigener Verantwortung der Welt vor. Es sei »von grundlegender Bedeutung«, so erklärt der Argentinier selbst, denn es enthalte den Kern und die Gesamtvision seines Pontifikates. Franziskus stellt in dem 180 Seiten langen »Apostolischen Schreiben« an den Kirchenbetrieb Ansprüche auf Veränderung, die gewaltig sind.

Der bescheiden und gewinnend auftretende Mann will, dass die Christen sich aufmachen und die befreienden Aspekte der christlichen Botschaft – beileibe nicht alle dogmatischen Lehren! – an den Hecken und Zäunen der Weltgesellschaft verkündigen, vor allem den Niedergetretenen, Schwachen und Weggeworfenen. Sein Schreiben – formell das Abschlussdokument ein Jahr nach der Weltbischofssynode in Rom über die »Neuevangelisierung« – bedeutet einen Aufbruch der römisch-katholischen Kirche in eine ungewisse Zukunft.

Der heiße Kern der Franziskus-Botschaft lautet: Gottes Liebe für jeden Menschen solle künftig durch alles kirchliche Handeln hindurchleuchten.

Deshalb wirbt dieser Papst für eine radikale Reform seiner Kirche an Haupt und Gliedern. Es bedeutet einen Riesenschritt nach vorn, dass er ausdrücklich auf die unter seinen Vorgängern übliche Überdehnung päpstlicher Wahrheits- und Unfehlbarkeitsansprüche verzichtet und sein Amt als Papst in die Reformdebatte hineingibt. Franziskus glaubt nicht, »dass man vom päpstlichen Lehramt eine endgültige und vollständige Aussage zu allen Fragen« erwarten müsse.

Die von ihm dringlich geforderte Reform und Dynam

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