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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Sehnsucht nach Mystik

von Gunhild Seyfert vom 07.12.2012
Hamburg-Altona: Die »Kirche der Stille« spricht Menschen an, die neue spirituelle Wege suchen

Die Kirchen in Deutschland sind mitten im Um- und Rückbau. Kirchenkreise und Gemeinden fusionieren, und vertraute Kirchengebäude werden zur Last. Niemand mehr scheint sie zu brauchen. Das Gotteshaus erhalten, vermieten oder verkaufen? Solche Entscheidungen bereiten den Verantwortlichen Kopfzerbrechen.

In Hamburg wurde die Chance, die im Druck zur Veränderung liegt, kreativ genutzt. Eine kleine traditionelle Backsteinkirche baute man um zu einer hellen, modernen »Kirche der Stille«. Nach knapp vier Jahren zieht man in Altona eine erste Bilanz, die durchweg positiv ausfällt. Menschen, die der traditionellen Gemeinde- und Kirchenarbeit nichts mehr abgewinnen können, kommen häufig in die offene Kirche der Stille.

Die Gemeinde Altona-Ost wollte es genau wissen. 800 Fragebögen wurden dieses Jahr an die Besucher der Kirche verteilt, 130 davon kamen zurück und wurden systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Mehr jüngere Menschen und mehr Männer als gewöhnlich kommen in diese Kirche: etwa ein Drittel Männer und zwei Drittel Frauen nutzen sie. Die Zugehörigkeit zu einer Religion spielt keine besondere Rolle mehr. Die Hälfte der befragten Männer und nur noch dreißig Prozent der Frauen fühlen sich dem christlichem Glauben zugehörig. Der traditionellen Gemeindearbeit bleiben sie fern, aber das Angebot von Stille und Meditation hat sie – wieder – in einen vorsichtigen Kontakt mit der Kirche gebracht.

»Ich wollte den mystischen Weg auch für die Kirche gangbar machen«, beschreibt Irmgard Nauck, schon zuvor viele Jahre Pastorin in Hamburg-Altona, ihre Motivation und ihr langjähriges Engagement für dieses Projekt. Sie stellt klar: »Eine solche Kirche ist kein missionarisches Projekt. Es geht um den Kontakt zur Stille.« Aus vielen Gesprächen und den Antworten in den Fragebögen weiß die zierliche, aber zielstrebige Pastorin: »Heute suchen Menschen eine ganz eigene Erfahrung und Begegnung mit Gott.« Die fusionierte Gemeinde Altona-Ost, die sich aus drei Kirchen mit je eigenem Profil zusammensetzt, öffnet sich mit ihrer Kirche der Stille für solche Menschen.

Drei Gruppen von modernen Kirchgängern lassen sich – so das Ergebnis der Umfrage – unterscheiden. Erstens sind da die Meditationserfahrenen. Sie sind froh, eine Zeit der Stille in Gemeinschaft zu erleben und kirchliche Offenheit zu erfahren. »Ein Raum für den Alltag, der so gestaltet ist

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