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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Odyssee auf der Rikscha

von Gerhard Klas vom 07.12.2012
Während die Politiker in Doha über den Klimawandel reden, fliehen die Menschen in Bangladesch bereits vor seinen dramatischen Folgen. Zum Beispiel Familie Alam

Wer sich Ende des Jahres, nach der Regenzeit, der Hauptstadt Dhaka nähert, überquert unzählige Flüsse und kommt vorbei an saftig-grünen Feldern. Bangladesch ist ein fruchtbares Land. Erst im Umkreis der Metropole säumen Ziegelbrennereien die Straße. Aus den Schornsteinen quillt weißer, grauer oder auch schwarzer Rauch. Diese Ziegelbrennereien sind die größten Treibhausgasemittenten in Bangladesch. Im internationalen Vergleich ist der Pro-Kopf-Ausstoß allerdings zu vernachlässigen: Weniger als 0,5 Tonnen pro Jahr, in Westeuropa sind es zehn, in den USA gar zwanzig Tonnen.

Bangladesch ist doppelt so groß wie Bayern. Mit seinen knapp 160 Millionen Einwohnern ist es der am dichtesten besiedelte Flächenstaat. Und dies in einer Region, die heftig vom Klimawandel betroffen ist: Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht die Küstenregionen im Süden und versalzt die Böden. Zyklone rauben in immer kürzeren Abständen Hunderttausenden Menschen die Existenz. Im Norden sorgt der Monsun für Überschwemmungen.

»Eine der Tragödien des Klimawandels: Er trifft besonders die Armen«, sagt Atiq Rahman, Klimaexperte aus Bangladesch. Sie hätten kein Geld, um in stabilere Steinhäuser zu ziehen. »Und dann fliehen sie in die Elendsviertel der Hauptstadt.« Diese Viertel heißen »Asien«.

Die wohlhabenderen Quartiere im Norden der Hauptstadt heißen »Europa«. Die Hochhäuser sind massiv gebaut, viele mit Aufzug und einem großen Parkplatz im Untergeschoss. Als besonderes Statussymbol gelten große Geländewagen mit Vierradantrieb, die Tag für Tag die Straßen verstopfen. In einem solchen Viertel lebt und arbeitet auch Atiq Rahman. Er hat graue, volle Haare und trägt einen Maßanzug. Auch er wird von seinem Chauffeur in einem Geländewagen von einem zum anderen Treffen gefahren, denn er hat viel zu tun: Er ist einer der mehreren Hundert Wissenschaftler, die den Weltklimabericht der Vereinten Nationen von 2007 erarbeitet haben, und berät seine Regierung in Klimafragen.

Für Rahman sind die Folgen des Klimawandels an keinem Ort der Welt so offensichtlich wie in Bangladesch. Schon heute gebe es in diesem Land rund eine Million Klimaflüchtlinge. »Aber«, warnt Rahman, »im Süden Bangladeschs steigt der Meeresspiegel, und viele Studien zu den arktischen Regionen kommen zu dem Ergebnis, dass das Eis viel schneller schmilzt, als im Bericht des Weltklimarates darge

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