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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Aufbruch statt Angst

von Norbert Lammert vom 07.12.2012
Was ist die Aufgabe der Christen heute? Sie sollten Toleranz zeigen, den Dialog untereinander und mit den anderen Religionen suchen. Sie sollten das Neue in der Welt wahrnehmen und zulassen

Weil er sich in seinem öffentlichen Wirken »von einem christlichen Wertefundament« leiten lasse und »die kritische Auseinandersetzung« nicht scheue, hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kürzlich den Eugen-Biser-Preis 2012 erhalten. Der Preis ist benannt nach dem katholischen Religionsphilosophen Eugen Biser, dessen Anliegen es stets war, das Christentum als eine Religion der Liebe verständlich zu machen. Zugleich feierte die Eugen-Biser-Stiftung ihr zehnjähriges Gründungsjubiläum. Wir dokumentieren, leicht gekürzt, die Festrede Lammerts.

Religion ist ein großes Thema des 21. Jahrhunderts. Diese nicht sonderlich originelle Feststellung ist überhaupt nur deshalb nötig, weil der Hinweis auf Befindlichkeiten moderner Gesellschaften immer wieder mit der Vermutung verbunden ist, der Preis der Modernität sei der Verlust an Religiosität, mindestens aber die freiwillige, mutwillige, leichtfertige, unauffällige Aufgabe religiöser Orientierung.

Tatsächlich ist Religion keineswegs nur ein großes Thema dieses Jahrhunderts. Religion ist ein großes Thema der Menschheit. Weder das soziale Gefüge noch das Zusammenleben von Menschen noch die politische Verfassung einer Gesellschaft sind ohne religiöse Bezüge zu begreifen, Kulturen schon gar nicht. Die menschliche Zivilisation ist durch Religionen geprägt. Deshalb ist friedliches Zusammenleben von Menschen, Völkern, Nationen und Kulturen überhaupt nur möglich auf der Basis von Verständnis, Verständigung und Toleranz zwischen den Religionen. Diese Verständigung kann es nicht geben ohne Dialog. [...] Der Blick von Pakistan und Afghanistan über die arabischen Staaten, Nordafrika bis zu den Vereinigten Staaten macht überdeutlich, dass die Zeit der Religionen sicher nicht vorbei ist, sondern mit der europäischen Ausnahme von der Regel die Bedeutung religiöser Orientierungen für gesellschaftliches wie auch politisches Handeln eher zugenommen hat. [...]

Die Migrationen der jüngeren Vergangenheit, die in der überschaubaren Zukunft wohl eher zunehmen als abnehmen werden, und die damit verbundene Begegnung, gelegentlich auch Konfrontation von Religionen und Kulturen führt international wie national zu neuen Herausforderungen. Deshalb ist die Ermutigung zum Dialog richtig, für die Herausforderung der Gegenwart reicht sie alleine aber nicht aus. Die Ansprüche sind hoch, sie erfordern mehr als guten Willen. Wer eine Auseinanderset

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