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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2015
Der Inhalt:

»Man weiß einfach nicht, ob der nächste Tag kommt«

von Irene Dänzer-Vanotti vom 20.11.2015

Jule Serway, 25, hat als Bestattermeisterin schon oft mit Angehörigen geredet, die unter Schock standen. Auf den Tod gewartet hatte sie aber – außer in ihrer Kindheit – noch nicht. Nach ihrer Ausbildung nahm sie am Projekt teil.

Publik-Forum: Wie ist Ihr Verhältnis zum Tod?

Jule Serway: Natürlich ist der Tod traurig. Das wird immer so sein. Wenn man den Tod gar nicht akzeptieren kann, ist er sehr schwer. Auch das Alter eines sterbenden Menschen spielt eine Rolle. Kürzlich wurden wir mit der Bestattung zweier junger Männer beauftragt, die bei einem Motorradunfall ums Leben kamen. So alt wie ich! Ich sagte zu meinem Freund: »Komm bloß nicht auf die Idee, einen Motorradführerschein zu machen!« Es ist immer besonders hart, wenn der Tod überraschend kommt. Wenn es keine Möglichkeit mehr gab, sich zu verabschieden oder sich auf den Abschied vorzubereiten. Ich versuche immer zu bedenken, dass morgen das Leben zu Ende sein kann. Ich will mich nicht wegen Kleinigkeiten aufregen. Beim Autofahren gelingt mir das leider nicht wirklich. Aber ich versuche mich selten über andere Menschen zu ärgern. Ich sage mir: »Die sind eben so!« Und ich versuche möglichst wenig zu verschieben. Wenn ich auf etwas Lust habe, leiste ich mir das auch. Ich lebe bewusster mit den Menschen um mich herum. Ich versuche immer, im Guten auseinanderzugehen und mich aufmerksam zu verabschieden. Man weiß einfach nicht, ob wir uns wiedersehen, ob der nächste Tag kommt oder nicht.

Wie sind Sie als Kind an den Tod herangeführt worden?

Serway: Sehr offen! Als meine Großmutter starb, war ich sieben Jahre alt. Meine Eltern haben mir erklärt, was passiert. Ich durfte entscheiden, was ich sehen wollte. Ich war bei jedem Schritt dabei. Mich interessierte, was mit der Oma passiert. Ich fand das Verhalten meiner Eltern gut. Kinder können mehr aushalten, als Erwachsene denken, und wissen selber, wann es ihnen zu viel ist. Als zum Beispiel meine andere Oma starb, konnte ich nicht dabei sein, als sie sterbend war. Das ging mir zu nahe.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Serway: Ich glaube, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist. Ich glaube, dass die Seele bei denjenigen ist, die dem Verstorbenen wichtig waren. Ich glaube auch, dass die Verstorbenen irgen

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