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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

»Sein Tod soll etwas Positives bewirken«

Giuseppe Marcone starb auf der Flucht vor Schlägern. Seine Mutter hat eine Stiftung gegen Jugendgewalt gegründet

Mein Sohn Giuseppe war ein Mensch mit positiver Einstellung: Er interessierte sich für das Leben anderer, setzte sich für seine Freunde ein, schlichtete Streit, suchte die Versöhnung. Als einziger Nichtjude zählte er in Berlin zum Wachdienst zum Schutz jüdischer Einrichtungen. Er starb am 17. September 2011. Spätnachts ging er mit einem Freund nach Hause, als sie im U-Bahnhof von drei jungen Männern angepöbelt wurden. Giuseppe hätte sich – als Kampfsportler – wehren können. Aber er wollte keinen verletzen. Um den Konflikt zu entschärfen, verließen die beiden den Bahnhof. Die Männer folgten ihnen. Zwei griffen an. Als mein Sohn floh, verfolgte ihn einer der Täter. Giuseppe rannte über den Kaiserdamm, wurde von einem Auto erfasst – und gegen einen Ampelmast geschleudert. Er starb am Unfallort. Die zwei Haupttäter – sie hatten sich selbst gestellt – kamen mit geringen Strafen davon: zwei Jahre beziehungsweise vier Monate auf Bewährung und etliche Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Als ich nach seinem Tod langsam aus Schmerz und Versteinerung erwachte, wusste ich: Das darf nicht alles gewesen sein. Deshalb gründeten mein Sohn Velin und ich die »Giuseppe Marcone Stiftung – für gegenseitige Achtung und Zivilcourage«. Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten, Vorurteile abbauen und Zeichen für ein respektvolles und friedliches Miteinander unter den Menschen setzen! Ich bin überzeugt, dass Kinder und Jugendliche weniger Gewalt ausüben, wenn sie früh lernen, sich in der Kunst auszudrücken. Wer musiziert, malt, Gedichte und Geschichten schreibt, lernt, dass es bessere Ausdrucksformen gibt. Von September 2013 bis März 2014 bauten wir eine Lichtergalerie auf. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen – manche hatten noch nie zuvor einen Pi