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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

Das politische Herz

Barmherzigkeit ist wichtig – doch es braucht auch die Solidarität. Das wussten bereits die ersten Christen

Vor mittelalterlichen Kirchen saßen viele Bettler, damit die frommen Kirchgänger die »guten Werke« der Barmherzigkeit an ihnen tun und sich selbst einen Schatz im Himmel sammeln konnten. Auch wenn moderne Menschen nicht mehr an den Himmel glauben, fühlen sie sich doch »gut«, wenn sie Barmherzigkeit oder »Wohltätigkeit«, wie es bei den Reichen heißt, üben können. Beide wissen nicht, wie erbärmlich sich Menschen fühlen, die auf gute Gaben angewiesen sind.

Vor evangelischen Kirchen sitzen seit der Reformation keine Bettler mehr. Sind evangelische Christen erbarmungslos und geizig? Nein, seit der Reformation hat das Diakonat der Gemeinde die Armenfürsorge und die Krankenpflege übernommen und damit den Weg der Gesellschaft in den Sozialstaat bereitet. Bismarcks Sozialgesetzgebung war am Diakonat der freien, niederländisch-reformierten Gemeinde in Elberfeld orientiert. Baron von der Heydt hatte die Übertragung von der Kirche auf den Staat vermittelt. Papst Franziskus hat dem Erbarmen mit den Armen Priorität in der katholischen Kirche eingeräumt. Das ist gut. Seine Vorstellung von der Barmherzigkeit mit den Armen geht auf die »preferential option for the poor« der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Medellin 1968 zurück. Diese »bevorzugte Option für die Armen« ist gut für Nicht-Arme, sie ist aber keine »Option der Armen«. Arme optieren nicht für die Armut, sondern für den Weg aus der Armut in das gute Leben.

Vor allem Pfingstkirchen in Lateinamerika zeigen den Armen, wie sie aus der Armut herauskommen. Das wird zwar als »Evangelium des Wohlstands« diffamiert, aber die Pfingstler gehen in die Favelas hinein, um dort Gemeinden zu gründen und Glauben zu wecken. Ich habe es in den Slums von Rio gesehen. Daf