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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:

Berlin mit anderen Augen

Hochburg des Atheismus? Interreligiöse Stadtführungen zeigen die andere Seite der Stadt

Die »Toleranzstraße« sucht man vergeblich im Verzeichnis Berliner Straßen. Vielleicht eine Sackgasse, in der einst die Prostitution geduldet wurde? Wer Näheres wissen will, sollte sich den »Stadtführern« anschließen, die unter dem Namen Cross Roads ihre Programme anbieten. Im Laufe eines »Stadtspaziergangs« erfährt man, dass die Große Hamburger Straße in Berlin-Mitte bis in die 1920er-Jahre »die tolerante Straße« genannt wurde. Denn dort gab es eine gute Nachbarschaft: Die Nonnen des katholischen Hedwig-Krankenhauses, die Pfarrer der Sophien-Kirche, die Lehrer der jüdischen Knabenschule sowie die Bewohner des jüdisches Altersheim lebten sozusagen in Rufnähe freundlich zusammen – bis die Nazis die Ausrottung der jüdischen Bürger durchsetzten. Das Altenheim wurde zerstört. Ein jüdisches Gymnasium ist nach der Wende wiederentstanden.

An diesem »Kreuzweg« der Geschichte nehmen sich die Stadtführer mindestens neunzig Minuten Zeit, um die Hintergründe zu erklären und über das heutige tolerante Berlin aus persönlicher Sicht zu sprechen. Es geht dabei nicht bloß um die Weitergabe von Daten und Fakten, auch die Welt der Religionen wird erschlossen.

Seit November 2011 gibt es diese Führungen. Die im interreligiösen Dialog engagierte Pfarrerin Silke Radosh-Hinder hat zusammen mit Freundinnen Cross Roads entwickelt. Die Nachfrage war von Anfang an groß. Darum wurde das Programm kürzlich ausgebaut: Es sind dreißig Stadtführer, darunter zwölf junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren, die nun dafür sorgen, dass Religionen und Kirchen einen festen Platz unter den zahlreichen touristischen Führungen haben. Viele Touristen interessieren sich durchaus für das religiöse Leben in der angeblich a