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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

Konzerne im Klassenzimmer

von Christine Weber-Herfort vom 22.11.2013
Geschickt verpacken Unternehmen und Wirtschaftsverbände ihre Botschaften in Hochglanzheften für Schüler und Lehrer. Und mit dem Planspiel »Schulbanker« steht Zocken auf dem Lehrplan

Einmal selbst Banker sein: im Chefsessel Platz nehmen, Kredite vergeben, mit Kunden verhandeln, Erfolge präsentieren. »Schulbanker« heißt das beliebte Planspiel, an dem sich in diesem Jahr 3500 Schüler beteiligt haben. In der Endausscheidung konkurrierten zwanzig Teams. In einem Kurzfilm zur Preisverleihung äußern sich Schüler und Lehrer. »Ich lernte, wie Wirtschaft funktioniert«, erzählt ein Schüler. Eine Teilnehmerin spricht von einem »kleinen Kick«, den sie verspürt habe. Eine Lehrerin ist von einem »gruppendynamischen Effekt« überrascht, der Begeisterung ausgelöst habe. Der Bundesverband Deutscher Banken veranstaltet das Planspiel seit elf Jahren.

Zufriedene Pädagogen, eventgesättigte Schüler – gibt es daran etwas auszusetzen? »Überhaupts nichts«, meint Anke Papke vom Bundesverband Deutscher Banken in einem ZDF-Frontal-Bericht: »Es geht um mehr Wissen.«

Ganz anders argumentiert Felix Kamella von LobbyControl: »Bei Schulbanker wird einzig die unternehmerische Perspektive in die Schule getragen, nicht aber die soziale, die ökologische oder die politische.« In der Studie »Lobbyismus an Schulen« bezeichnet die Initiative für Transparenz und Demokratie die einseitige Beeinflussung von Schülern als »völlig unakzeptabel«.

Lobbyarbeit bedeutet für Konzerne wie die Deutsche Bank, die Daimler AG oder den Energiekonzern RWE längst nicht nur, ihre Sicht der Dinge Politikern in Berlin und Brüssel einzuflüstern. Unternehmen und Verbände drängen zunehmend in die Schulen und werben dort für ihre Interessen und Produkte – mit kostenlosem Lehrmaterial, Wettbewerben und durch Sponsoring. Von den zwanzig umsatzstärksten deutschen Unternehmen haben 16 im vergangenen Jahr Unterrichtsmaterialien herausgebracht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Universität Augsburg.

Der Einfluss der Wirtschaft an deutschen Schulen ist sogar im internationalen Vergleich hoch. Das zeigte schon die PISA-Studie aus dem Jahr 2006. Für die Studie wurden Schulleiter gefragt, in welchem Umfang Wirtschaft und Industrie direkten Einfluss auf Unterrichtsinhalte ausüben. »Dabei kam heraus, dass in Deutschland 87,5 Prozent der 15-Jährigen eine Schule besuchen, an der Wirtschaft und Industrie Einfluss auf die

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