Expedition ins Niemandsland
Hic sunt leones. Hier sind Löwen. So bezeichneten Kartografen im Römischen Reich unbekanntes Land jenseits der Grenzen. Meist lag es in Afrika. Als der Schweizer Biologiestudent Thierry Aebischer vor drei Jahren grübelte, welche Gegend Afrikas eine spannende Forschungsarbeit abwerfen könnte, kam er nicht vom Chinko-Becken los, dem fast menschenleeren Südosten der Z. A. R., der Zentralafrikanischen Republik. Das Chinko-Becken ist ein Mosaik großer Waldsavannen und tropischer Regenwälder – dreimal so groß wie die Serengeti. Die schachbrettartige Struktur aus Savanne und Wald macht es zum Paradies der Artenvielfalt. Einst sagten sich dort Zehntausende Dickhäuter mit Giraffen und Nashörnern gute Nacht. Was, fragte sich Aebischer, kreucht und fleucht dort heute noch durch den Busch?»Wo ich auch anfragte, hörte ich immer nur: ›Wir wissen nichts‹«, erzählt Aebischer. Wissenschaftliche Daten zu dem Gebiet von der Größe Österreichs gab es kaum. Über hundert Jahre war die Region nicht mehr erforscht worden. Zusammen mit dem Wiener Studenten Raffael Hickisch entspann Aebischer die Idee von der Expedition ins Niemandsland. Nur Fotos eines schwedischen Großwildjägers namens Erik Mararv, der am Chinko ein Jagdcamp unterhält, gaben eine Ahnung, welcher Schatz dort verborgen liegt.
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