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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
Der Inhalt:

Gemalte Weltgeschichte

von Norbert Copray vom 23.11.2012
Wie historische Ereignisse und die Malerei zusammenwirken

Helge Hesse Bilder erzählen Weltgeschichte dtv. 74 farb. Abb. 336 Seiten. 24,90 €

Gemälde als Zeitspiegel: Von den frühesten Malereien in der südfranzösischen Chauvet-Höhle – etwa 35 000 Jahre alt – bis zu Gerhard Richters Bild »September« und Sandow Birks Gemälde »Die Befreiung von Badgad« spannt sich der Bogen der in Bildern gespiegelten Geschichte. Wie Richter, einer der bedeutendsten Maler und Erschaffer der derzeit teuersten Gemälde der Welt, zur Malerei steht, kann auch als Motto dieses Bild-Textbandes verstanden werden: »In seinem Werk lotet er auf vielfältige Weise aus, wie wir als Menschen mit den Mitteln der Malerei die Welt begreifen können. Die Kunst Richters entsteht nicht aus einem Verständnis der Malerei trotz der Macht von Fotografie und Film, sondern aus dem Ansatz, dass Malerei gerade deshalb wichtig ist, weil es Fotografie und Film gibt.«

So formuliert Helge Hesse, der mit seinem Buch »Bilder erzählen Weltgeschichte« einen ungewöhnlichen Zugang zur Wechselseitigkeit von Malerei und historischen Ereignissen schafft. Richter vertritt die Auffassung, dass die Malerei ein Foto überschreitet, weil in einem gemalten Bild etwas erkannt, in einem Foto lediglich etwas gesehen wird. Dieser Spur folgt auch der Publizist Hesse. Er lässt die Bilder sprechen und liefert durch seinen Text, was die Maler als ihre Erkenntnis im Bild festgehalten haben: die persönliche Wahrheit, die subjektive Erkenntnis einer geschichtlichen Situation. Auf diese Weise werden die Bilder in ihren historischen Kontext gestellt, die Umstände erklärt und Komposition wie Anliegen des Malers oder der Malerin verständlich.

Doch das ist nur die eine Seite dieses Bild-Geschichte-Dialogs. Die Leserinnen und Leser werden darüber hinaus zu einem Gang durch die Geschichte animiert. Sie werden mit den historischen Situationen aus einem eher unüblichen Blickwinkel bekannt gemacht: nämlich aus der Perspektive der Maler. Das ist spannend. Ob es sich um das Werk von Antonio Ciseri »Ecce Homo« handelt oder um das Bild »Atombombe« von Andy Warhol, um das Gemälde »Der Fenstersturz zu Prag am 23. Mai 1618« von Dáclav Brozík oder um Elizabeth Thompsons »Überreste einer Armee«: Immer sind es zunächst existenzielle Situationen, die die Künstler zu historischen Ereignissen von einiger Tragweite machen oder mit diesen Ereignissen verbinden.

Helg

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