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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2012
Leben gegen die Angst
Die Gesellschaft ist gelähmt. Doch die Kirchen nutzen ihre Kraft nicht
Der Inhalt:

Chance im Einkaufsparadies

von Eva-Maria Lerch vom 23.11.2012
Wetzlarer Pfarreien: Kein Rückzug ins katholische Reservat

»Wir leben nicht in einem katholischen Reservat.« Dieser Satz klang ungewöhnlich. Zumal es sich um die Einladung zu einem katholischen Synodaltag handelte, bei dem vier Stadtgemeinden über ihre gemeinsame Zukunft als Großpfarrei beraten sollten. Normalerweise stehen bei solchen Veranstaltungen die kirchlichen Interna im Mittelpunkt: die Sorge der Gläubigen um den Verlust ihrer religiösen Heimat, das Gerangel um die Gottesdiensttermine in der künftigen Großgemeinde und die Zusammenlegung der Gremien. In der Fusionsphase sind die betroffenen Gemeinden oft so mit sich selbst und ihrer Neuorganisation beschäftigt, dass für einen Blick über den kirchlichen Tellerrand und die Menschen im Umfeld kein Platz mehr bleibt.

Die Katholiken der mittelhessischen Kreisstadt Wetzlar aber entschieden sich im November bewusst für einen anderen Weg: Sie luden Gäste von außerhalb zu ihrem Synodaltag ein und fragten sie nach ihren Erwartungen an die Kirche in ihrer Stadt: »Wie wird unsere Gemeinschaft von außen wahrgenommen? Welche Erwartungen kommen aus der Stadt an uns heran? Sind unsere Türen für die zukünftigen Herausforderungen offen?«

Diese Fragen richteten sie bewusst an Leute, die vorher noch nie die Schwelle des katholischen Gertrudishauses übertreten hatten. Mürvet Öztürk beispielsweise, die Alevitin und Landtagsabgeordnete der hessischen Grünen. Sie wünschte sich von den Katholiken einen regelmäßigen Austausch zu Fragen der Integration und vor allem eine Unterstützung in der Flüchtlingspolitik. Manfred Wagner, SPD-Mitglied, Protestant, Bürgermeister und Sozialdezernent der Stadt, bekräftigte die Zusammenarbeit im sozialen Bereich und ganz konkret bei der Schaffung neuer Kita-Plätze. Der Vorsitzende der Wetzlarer Goethe-Gesellschaft, Stefan Scholz, regte an, das DomArchiv zu öffnen und für alle Bürger zugänglich zu machen. Auch der Center-Manager des Forums, Sven Martens, kam zum Synodaltag und bot den Katholiken an, die Besucher in dem großen Einkaufszentrum mit spirituellen Angeboten anzusprechen. Pfarrer Christof Forst hakte nach und fragte nach einem Rückzugsraum im Forum für seelsorgliche Gespräche. »Klar,« antwortete der Center-Manager, »den kriegen Sie!«

So öffnet sich ein neues Arbeitsfeld für die neue städtische Großgemeinde. Wird damit die Kirchturmperspektive ein Stück über

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