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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2019
Die Waffen nieder!
Pazifismus in kriegerischen Zeiten. Wie sich Sicherheitspolitik neu denken lässt
Der Inhalt:

Aufatmen im Willkommensdorf

von Elisabeth Voß vom 08.11.2019
Die Solidarität mit Riace hält an, Ex-Bürgermeister Lucano ist zurück

Zwanzig Jahre lang hat Riace, ein von Abwanderung betroffenes Bergdorf im süditalienischen Kalabrien, Geflüchtete aufgenommen (siehe Publik-Forum 3/2017). Die Regierung nahm die Aufnahmebereitschaft des Dorfes gern in Anspruch, Riace und sein Bürgermeister, Domenico Lucano, wurden dafür weltweit bekannt und mit vielen Preisen geehrt. Vor etwas mehr als zwei Jahren jedoch wurde die Auszahlung der staatlichen Fördermittel eingestellt, Lucano im Oktober 2018 verhaftet, unter Hausarrest gestellt, dann aus Riace verbannt. Die Willkommensprojekte wurden geschlossen. Lucano und dreißig weitere Einheimische wurden angeklagt, illegale Einwanderung begünstigt zu haben. Erst am 5. September – einen Tag nach dem Ausscheiden Matteo Salvinis als Innenminister – durfte Lucano das Dorf wieder betreten, ein Gericht hob das Verbot auf. Zwar sind die Verfahren gegen ihn noch immer anhängig, dennoch lebt das Dorf seitdem wieder auf.

Lucano erhält für das »Città Futura« genannte Willkommensprojekt in Riace weiterhin Unterstützung, aus Italien und weit darüber hinaus: Im Januar 2019 wurden beim Nobelpreiskomitee in Oslo 90 000 Unterschriften für die Verleihung des Friedensnobelpreises an Riace eingereicht. Im Februar 2019 gab es eine Friedens-Radtour von Rom über Neapel nach Riace. Im Sommer fanden zwei Kulturfestivals und ein antirassistisches Fußball- sowie ein Volleyballturnier in Riace statt.

Auf dem Kulturfestival wurde die Gründung der Stiftung È stato il vento (Es war der Wind) bekannt gegeben, die die solidarische Tradition des Ortes neu beleben will. Die Stiftung wurde vom Netzwerk solidarischer Städte ReCoSol (Rete dei Communi Solidali) und von Weggefährten Lucanos ins Leben gerufen, unter ihnen ein Richter, ein Ordensmann und eine Vertreterin der europäischen Kooperative Longo Mai. Die Stiftung unterstützt die verbliebenen Flüchtlinge in Riace und möchte eine nachhaltige lokale Ökonomie ermöglichen. Als erste Schritte werden Wohnungen für einen neuen Solidaritätstourismus hergerichtet, Werkstätten wiedereröffnet sowie eine Olivenöl-Mühle in Betrieb genommen. Dies schafft Arbeitsplätze für Einheimische und Geflüchtete.

Um Unterstützung in Deutschland zu organisieren, plant die Initiative »Solidarity City Freiburg« die Gründung eines Vereins zur Unterstützung

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