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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2014
Heilende Tinte
Wie Schreiben befreit
Der Inhalt:

»Die Mädchen sind Expertinnen«

von Gerhard Endres vom 07.11.2014
Der deutsche Schulpreis 2014 geht an eine bayerische Mädchenrealschule. Was macht die Anne-Frank-Realschule in München-Pasing anders als andere? Fragen an die Schulleiterin Eva-Maria Espermüller-Jug

Publik-Forum: Eine Mädchenrealschule in Bayern, das klingt eher altmodisch. Nun haben ausgerechnet Sie den Deutschen Schulpreis bekommen. Können Sie mir das erklären?

Eva-Maria Espermüller-Jug: Ja, bei der Verleihung kam diese Frage öfter auf: Unsere Schule ist ein Modell für gelungene, zeitgemäße Mädchenförderung. Zu uns kommen viele Schülerinnen, deren Selbstwertgefühl zuvor zerstört worden ist. Wir können viele Mädchen für Technik begeistern: Die Hälfte wählt bei uns nach der sechsten Klasse Technik als Schwerpunkt. Das findet man an keiner anderen Schule. 28 Prozent der Mädchen gehen nach dem Abschluss in eine technische Berufsausbildung, sechzig Prozent können auf ein Gymnasium wechseln und Abitur machen.

Was machen Sie anders als andere Schulen?

Espermüller-Jug: Die städtische Anne-Frank-Realschule ist eine Ganztagsschule. Eins unserer Erfolgsgeheimnisse liegt in unserer Lernstruktur, die aus kleinen, stabilen Gruppen besteht: In sogenannten »Lernhäusern« werden mehrere Jahrgangsstufen in benachbarten Klassenzimmern von einem festen Pädagogen-Team unterrichtet. Zweimal in der Woche arbeiten die Schülerinnen in altersgemischten Gruppen in sogenannten »Lernbüros«, wo sie eigenverantwortlich in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik arbeiten. Der individuelle Lernerfolg wird dabei in einem Logbuch geplant und reflektiert. Diese andere Art des Lernens hat dazu beigetragen, dass in den vergangenen Jahren keins der Mädchen am Schuljahresende durchgefallen ist.

Haben Sie schon immer an Mädchenschulen unterrichtet?

Espermüller-Jug: Nein, das war für mich auch neu. Bei meiner ersten »Pädagogischen Konferenz« an dieser Schule habe ich provokativ gefragt, wozu wir eine Mädchenschule überhaupt brauchen. Folgende Ziele haben wir dann zusammengetragen: Wir wollen, dass die Schülerinnen selbstbewusst werden, dass sich ihre Eigenwahrnehmung verändert, dass sie erkennen, was sie können. Danach haben wir begonnen, ein »Berufsfeld-Erweiterungskonzept« aufzubauen.

Was ist das?

Espermüller-Jug: Bei der Berufsfeld-Erweiterung geht es vor allem darum, Mädchen von der Fixierung auf klassische Frauenberufe zu befreien und die Schülerinnen für technisch

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