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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

Unbändiges Interesse für tote Fische

von Anita Rüffer vom 09.11.2012
Bildung statt Betreuung: Erzieher und Erzieherinnen sollen jedes Kind individuell fördern. Dazu müssen sie genau hinschauen

Cheyenne will alles wissen. Auch, was aus Pflanzen und Tieren wird, wenn sie gestorben sind. Also hat die Sechsjährige den toten Fisch aus dem Aquarium des Kindergartens beerdigt und nach ein paar Tagen wieder ausgegraben.

Cheyenne hat Glück: Ihre Erzieherin hat nicht die Nase gerümpft, sondern Cheyennes unbändiges Interesse für Werden und Vergehen in der Natur und insbesondere für Beerdigungen erkannt. Deshalb hat sie ihre Beobachtung nicht nur in Cheyennes Ordner dokumentiert und mit Fotos versehen; sie hat auch mit einer Gruppe von interessierten Kindern eine Kirche und einen Friedhof besucht, nach Büchern über Beerdigungen gesucht, im Internet ein passendes Mandala gefunden und im Team besprochen, wie das Thema etwa beim Malen bearbeitet werden könnte.

Im Kindergarten geht es längst nicht mehr nur um die Betreuung von Kindern, sondern um frühe Bildungserlebnisse. Seinerzeit, erinnert sich eine Kitaleiterin an ihre Anfänge Mitte der 1980er-Jahre, »haben wir noch Wochen- und Jahrespläne aufgestellt und sie mit allen Kindern etwa bei gemeinsamen Bastelaktionen abgearbeitet«. Heute dagegen registrieren die Erzieherinnen der städtischen Kita Sonnengarten im ländlichen Freiburger Ortsteil Munzingen bei jedem einzelnen Kind, wofür es sich gerade interessiert und welche Entwicklungsschritte anstehen. Und sie lassen sich etwas einfallen, wie sie es dabei unterstützen können.

»Die pädagogische Arbeit in den Kitas ändert sich«, sagt Dörte Weltzien, die als Professorin an der Evangelischen Hochschule Freiburg den Studiengang »Pädagogik der frühen Kindheit« betreut. Alle Bundesländer haben das genaue Beobachten und Dokumentieren der Lern- und Entwicklungsprozesse jedes Kindes in ihren Bildungsplänen für die Kitas in Deutschland verankert. Das soll sicherstellen, dass die Erzieher und Erzieherinnen kein Kind aus dem Blick verlieren. »Das Dokumentieren schult die Wahrnehmung«, ist die Professorin überzeugt. »Und es führt zu einer gewandelten pädagogischen Haltung.«

Peter Fischer zieht einen dicken Ordner aus dem Regal. Zusammen mit der fünfjährigen Jane blättert er darin. In ihrem sogenannten Portfolio findet Jane Fotos, die zeigen, wie sie puzzelt oder wie sie mit Bauklötzen und Würfeln ein Mandala legt und Formen nach Farben und Größen sortiert. »Blau und Gelb sind meine Lieblingsfarben«, sa

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