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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2021
Vergeben und vergessen
Was billige Gnade von echtem Verzeihen unterscheidet
Der Inhalt:

Tierschutz
»Ein zweites Leben für die Hennen«

von Sigrid Querhammer vom 31.10.2021
Svenja Tremmel vermittelt erschöpfte und verletzte Hühner aus der Eierproduktion an Tierfreunde. Dort dürfen die Tiere artgerecht und ohne Stress leben.
Versuchte schon als Kind, Tieren zu helfen: Svenja Tremmel engagiert sich heute beim Verein Rettet das Huhn und vermittelt Hühner aus der Eierproduktion an Tierfreunde. (Foto: Privat)
Versuchte schon als Kind, Tieren zu helfen: Svenja Tremmel engagiert sich heute beim Verein Rettet das Huhn und vermittelt Hühner aus der Eierproduktion an Tierfreunde. (Foto: Privat)

Ich schenke Legehennen ein zweites Leben. Nach ihrer Zeit als Eierproduzentinnen vermittelt unser Verein »Rettet das Huhn« sie an Menschen, bei denen sie noch eine gute Zeit haben. Wenn wir sie bei den Legebetrieben abholen, sind sie fast nackt. Den Anblick kann ich nur schwer ertragen. Die Tiere haben Angst, wenn wir sie in die Transportkäfige setzen. Ich stelle mir in diesen Momenten vor, wie schön sie ein paar Wochen später aussehen werden. Mit intaktem Federkleid spazieren sie dann auf Futtersuche über eine Wiese. Das motiviert mich.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 20/2021 vom 22.10.2021, Seite 61
Vergeben und vergessen
Vergeben und vergessen
Was billige Gnade von echtem Verzeihen unterscheidet

Gemeinsam mit anderen Aktiven übernehmen wir verletzte Tiere aus einem Bodenhaltungsbetrieb in Schleswig-Holstein. Drei Mal im Jahr holen wir Hühner aus einem kleineren Freilandhaltungsbetrieb in Niedersachsen – insgesamt bis zu 400 Hennen im Jahr. Bundesweit rettet der Verein jedes Jahr zehn- bis elftausend Hennen.

Zum Hühnerretten kam ich über eine Freundin. Mit ihr war ich unterwegs, als die Gründerin des Vereins anrief, weil sie eine Nachfolgerin suchte. Meine Freundin sagte zu, ich unterstützte sie. Mittlerweile mache ich das allein. Ich wohne in einer Mietwohnung und kann leider selbst keine Hühner halten.

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Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Schon als kleines Mädchen versuchte ich, Insekten zu retten. Dass ich selbst Tiere aß, wusste ich nicht. Als ich das erste Mal Schweinehälften im Kühlhaus einer Landfleischerei sah, war das ein Schock für mich. Wenig später war meine Familie zum Gänseessen eingeladen. Ich weigerte mich, von der Gans zu essen. Damals war ich fünf Jahre alt – und fortan Vegetarierin. Meine Eltern akzeptierten das, und meine Mutter wurde auch Vegetarierin. Seit meinem 19. Lebensjahr lebe ich als Veganerin. Keine Tiere zu essen und Tiere zu retten, das gehört für mich zusammen.

Die Bauern, bei denen wir Hennen abholen, erhalten dafür kein Geld. Die Kosten für Transport und für den Tierarzt finanziert unser Verein durch Spenden. Wir suchen für sie ein neues Zuhause, vermitteln aber jeweils höchstens dreißig Hühner. Größere Gruppen machen den Tieren Stress. Wer Tiere aufnimmt, verpflichtet sich, für die Tiere zu sorgen, sie artgerecht zu halten und sie nicht zu schlachten. Ich weiß, dass ich mit meinem Engagement nicht die ganze Welt verändern kann. Aber für die geretteten Tiere ändert sich die ganze Welt.

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