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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

Radikaler als Fridays for Future

von Ulrike Scheffer vom 25.10.2019
Die Aktiven von Extinction Rebellion fordern Klimaschutz und Bürgerentscheide

Der Aufstand gegen die Auslöschung ist vor allem eines: freundlich. Als Umweltaktivisten von Extinction Rebellion Anfang Oktober in Berlin Verkehrsknotenpunkte besetzten, haben sie Deeskalationsteams dabei; Polizisten, die anrückten, um Blockierer wegzutragen, wurden mit warmem Applaus begrüßt. Und Autofahrer, die wegen ihrer Blockaden im Stau stehen, bitten sie um Entschuldigung.

Mit den Anti-Atomblockaden der 1980er-Jahre in Wackersdorf oder Gorleben hat die in Großbritannien gegründete Bewegung wenig gemein. Allerdings agiert auch die Polizei heute weniger konfrontativ als damals. Beides hilft Extinction Rebellion, Menschen zu mobilisieren, die bisher nicht daran dachten, staatliche Autoritäten durch zivilen Ungehorsam infrage zu stellen. In Berlin, wo die Gruppe während der Protesttage gleich neben dem Kanzleramt ein Basiscamp errichtete, reiste manch ein Teilnehmer mit dem Rollkoffer an. Kinder tobten zwischen den Zelten mit ihren Großeltern herum, während ihre Eltern drinnen lernten, wie eine Blockade funktioniert. Rund 3000 Menschen besuchten das Camp, mehrere Hundert beteiligten sich an den Aktionen. Was sie vereint, ist der Unmut darüber, dass Regierungen weltweit beim Klimaschutz versagen. Und die Überzeugung, dass der Protest von Fridays for Future daran nichts ändern wird.

Konkrete umweltpolitische Forderungen hat Extinction Rebellion nicht. Die Bewegung geht viel weiter: »Die Demokratie ist derzeit nicht handlungsfähig, deshalb fordern wir eine Bürgerversammlung, die über Klimaschutzmaßnahmen entscheidet«, erklärt Tino Pfaff aus dem Presseteam. Letztlich stellt die Gruppe damit die Systemfrage. Mitbegründer Roger Hallam sagt, Klimaschutz sei größer als Demokratie. Seit der Brite den Flugbetrieb in London durch Drohnen stören wollte, ist Hallam in der Bewegung jedoch umstritten.

Eine Führungsrolle hat Hallam ohnehin nicht. Extinction Rebellion ist basisdemokratisch organisiert und in Deutschland nicht einmal ein eingetragener Verein. Ihre Ortsgruppen sind über eine Plattform im Internet verbunden. Dort finden sich Arbeitsgruppen zu gemeinsamen Workshops und Aktionen zusammen. Das Geld dafür stammt aus Crowdfunding und Spenden, die andere Organisationen zur Unterstützung einsammeln. Prominente Gesichter gibt es bei Extinction Rebellion aber schon: Kürzlich hat sich Sea-

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