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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

Nachgefragt: Elektroautos ohne Batterie?

von Markus Dobstadt vom 25.10.2019
Fragen an Timm Koch, Experte für Wasserstofftechnik

Publik-Forum: Herr Koch, Sie meinen, auf Elektroautos mit Batterie zu setzen, sei falsch. Sie sollten besser mit Wasserstoff (H2) angetrieben werden. Warum?

Timm Koch: Batterien sind schwer, sie haben eine lange Ladezeit, man braucht für die Herstellung seltene Rohstoffe. Ich meine nicht, dass sie sich durchsetzen. Wir brauchen aber emissionsfreie Autos im Kampf gegen die Erderhitzung. Deswegen sollten wir die Brennstoffzellentechnik nutzen. Die erzeugt im Auto den Strom aus Wasserstoff, aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf.

Ein Nachteil ist, dass man viel Ökoenergie braucht, um Wasserstoff herzustellen.

Koch: Der Wirkungsgrad heutiger Wasserstofftechnik liegt bei rund vierzig Prozent und ist vergleichbar mit dem eines Dieselmotors. Aber er kann noch deutlich gesteigert werden. An einem sonnigen, windigen Tag bezahlen wir in Deutschland dafür, dass uns das Ausland den Strom abnimmt, weil die Netze mit Kohle- und Atomstrom verstopft sind. Mit dem Ökostrom kann man per Elektrolyse sogenannten »grünen« Wasserstoff erzeugen. Dadurch wird er speicher- und transportfähig. Ökoenergie haben wir auf der Erde theoretisch unbegrenzt. Photovoltaikanlagen in einer Größe von 300 Quadratkilometern in der Sahara würden laut dem Physiker Gerhard Knies ausreichen, um die Menschheit komplett mit Strom zu versorgen.

Warum setzen Politik und Autoindustrie auf Batterien statt auf Wasserstofftechnik?

Koch: Die »Ernte« der unbegrenzten Energien, die uns Sonne, Wind und Wasserkraft liefern, entspricht nicht den Interessen der einflussreichen Fossil-Kartelle. Batterien haben für sie den Vorteil, dass Haushalte und Industrie weiter fossile Brennstoffe verwenden. Grüner Wasserstoff wäre auch dort einsetzbar, etwa in der Stahlproduktion.

Unfälle mit Wasserstoffautos könnten gefährlich sein, denn Wasserstoff brennt beim Kontakt mit Sauerstoff.

Koch: Ein 700-Bar-Drucktank, der heutzutage in Autos zum Einsatz kommt, ist trotz TÜV-Abnahme zugegebenerweise ein bisschen unheimlich. Dennoch gilt: Wasserstoff ist leichter als Luft. Wenn er entweicht, dann als Fontäne nach oben. Eine brennende Benzinlache ist gefährlicher. Es gibt außerdem Verfahren, Wasserstoff mit einem unbrennbaren Trägerstoff zu ver

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