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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Armut im Paradies der Milliardäre

von Marcus Schuler vom 26.10.2018
Google, Apple, Facebook: Das Silicon Valley nahe San Francisco ist im Goldrausch. Zugleich gibt es immer mehr Obdachlose

Taxis sind am Flughafen von San Francisco immer seltener zu sehen. Uber und Lyft – sogenannte Fahrdienstleister – haben das Geschäft übernommen. Vorteil: dramatisch günstigere Fahrpreise. Taxifahrer gibt es dafür immer weniger.

Onita fährt für Lyft und Uber. Es regnet heftig. Die Fünfzigjährige ist seit fünf Uhr in ihrem silberfarbenen Prius unterwegs. Taxifahren ist ihr Hauptjob. »Ich fahre bis abends 19 Uhr. Jeden Tag«, sagt die Afroamerikanerin. Gemeinsam mit ihrem Sohn betreibt sie dieses Zwei-Personen-Unternehmen. Sie fährt tagsüber, der 24-jährige Sohn nachts.

Onita ist von San Francisco Richtung Süden nach San José unterwegs. Dort leben mehr als eine Million Menschen. Die Stadt nennt sich »Hauptstadt des Silicon Valley«: Adobe, Cisco, Ebay und Western Digital haben dort ihren Firmensitz. Nach Zürich und Oslo hat San José das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Auch Google, Apple und Facebook haben sich auf der knapp achtzig Kilometer langen und vierzig Kilometer breiten Halbinsel angesiedelt, an deren Spitze San Francisco liegt und die sich über Palo Alto und Mountain View hinunter bis nach San José zieht.

In der ganzen Region San Francisco herrscht eine Art Goldrausch. Das Silicon Valley hat ein beispielloses Wachstum erlebt. Das mittlere Haushaltseinkommen liegt bei umgerechnet 75 000 Euro im Jahr. In keinem anderen Teil der USA leben so viele Milliardäre wie hier.

Der Reichtum zieht viele Menschen an – und er verdrängt viele, weil sie sich den teuren Wohnraum nicht mehr leisten können. Für eine Zwei- bis Dreizimmerwohnung zahlt man in Mountain View oder Palo Alto umgerechnet rund 3000 Euro Miete im Monat. Ein durchschnittliches Haus kostet deutlich mehr als eine Million Euro. Wer aber auf die Ostseite der Bucht von San Francisco fährt, nach Oakland, sieht Zeltstädte entlang des Highways. In San Francisco selbst, so schätzen die Behörden, leben zwischen 7000 und 8000 Menschen ohne ein Dach über dem Kopf. Darunter sind selbst Mittelständler wie Lehrer und Zahnärzte. Nach Hongkong und Vancouver herrscht in der Bay Area die größte Wohnungsnot weltweit.

Der emer

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