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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Nachgefragt: Wie viele werden noch fliehen?

Fragen an Alexander Carius, Experte für Klimawandel und Flüchtlingskrisen sowie Politikberater

Publik Forum: Sie warnen, dass immer mehr Menschen wegen des Klimawandels fliehen müssen. Wo sind denn die Gefahren des Klimawandels am größten?

Alexander Carius: Fast überall. Der Klimawandel trägt zur Fragilität von Gesellschaften und Staaten bei. Sehr bedrohlich ist die Lage auf den Inseln des Südpazifiks, in Bangladesch und in der Sahelzone. Wir haben es zu tun mit einer langsamen, aber stetigen Verschlechterung der Lebensbedingungen, etwa häufigeren Sturmfluten, einer Versalzung der Böden oder anhaltenden Dürren.

Wissenschaft und Politik diskutieren in Europa aktuell über verschiedene Fluchtursachen. Welchen Stellenwert hat denn dabei der Klimawandel?

Carius: Die Fluchtursache Klimawandel wird auf globaler Ebene seit Jahren diskutiert. Trotzdem ist der Klimawandel weder in der Genfer Flüchtlingskonvention ein anerkannter Fluchtgrund, noch hat sich die Staatengemeinschaft 2015 beim Pariser Klimaabkommen dazu positioniert. Wir haben es mit unterschiedlichen Fluchtursachen, gewissermaßen mit Kaskadeneffekten zu tun. Die Flüchtlingssituation in Europa ist nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was auf uns zukommt. Die Frage ist: Wie stellen wir uns darauf ein? Die Bundesregierung hat das Problem in seiner gesamten Größe noch gar nicht erkannt. Mit einem Rechtsstatus für Klimaflüchtlinge würde man das Problem aber nicht lösen.

Finden Sie denn bei Politikern überhaupt Gehör?

Alexander Carius: Ja. Die Offenheit und die Beratungswilligkeit seitens der Politik sind durch die Flüchtlingskrise seit 2015 stark gestiegen. Die Politik ist sich der Tatsache