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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Vorgespräch: Warum erzählen Sie Geschichten?

Die Akademie für Erzählkunst lehrt wirkungsvolle Auftritte. Marianne Vier sagt, worauf es dabei ankommt

Publik-Forum: Frau Vier, warum sollte man Geschichten erzählen statt sie vorzulesen?

Marianne Vier: Das Buch ist eine Schwelle zwischen Erzähler und Zuhörer. Beim Erzählen ist man dagegen in Kontakt, auf der gleichen Ebene. Besonders bei Kindern sieht man, wie sie die Mimik des Erzählers aufnehmen. Wenn Menschen aktiv zuhören, sind im Gehirn die gleichen Regionen aktiv, als würden sie die Geschichte selbst erleben. Die Hirnforschung sagt, dass so auch Problemlösefähigkeiten entwickelt werden – das geht nur über Emotionen.

Was macht einen guten Erzähler aus?

Vier: Eine respektvolle Haltung gegenüber den Zuhörern. Man braucht einander. Ein Erzähler muss in der Lage sein, sich auf seine Zuhörer einzustellen. Und er muss ganz in der Geschichte sein.

Im November leiten Sie ein Schnupperseminar »Erzählen lernen«. Was erwartet die Teilnehmer?

Vier: Sie können Ideen bekommen, wo sie Geschichten einsetzen können. Wir versuchen, kleine Geschichten zu erzählen, und dafür vermitteln wir Handwerkszeug. Wir lernen, wie wir auf andere wirken. Dafür ist eine wertschätzende Feedbackkultur wichtig und Vertrauen. Dann kann man sich ausprobieren und vor allem jede Menge notwendige Fehler machen.

Welche Fehler sind am Anfang typisch?

Vier: Dass man zu schnell, zu hektisch ist. In der Ruhe liegt die Kraft. Bevor man beginnt, stellt man sich am besten mit beiden Füßen auf die Erde, nimmt Blickkontakt mit den Zuhörern auf und atmet aus. Dann hat man sofort alle auf seiner Seite.

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