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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2016
Was die Gesellschaft zusammenhält
Ein Gespräch mit dem Philosophen Hans Joas
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Rabimmel, Rabammel, Rabumm

vom 21.10.2016

Es heißt, das Gehirn bleibe länger fit, wenn man alle Nase lang für neue Erfahrungen sorgt. Sofern an dieser Theorie etwas dran ist, gibt es kein besseres Gehirnfitnessprogramm als Kinder zu bekommen.

Wöchentlich, täglich, stündlich: Neue, noch nie da gewesene Ereignisse erweitern den Horizont – und die Herzschlagfrequenz – ins Unermessliche. Es fängt mit dem Geburtsvorbereitungskurs an (»Jetzt üben wir die Indische Brücke«) und hört mit dem ersten großen Krach (»Du bist eine Kakapups-Mama!«) noch lange nicht auf. Lauter Premieren, lauter Schreckmomente, lauter Herz-überschlägt-sich-vor-Glück-Momente (Kind sagt »Mamamam«), lauter Oh-je-können-wir-das?-Momente (Kind dem Babysitter überlassen).

Dann wird es Herbst, irgendwann im zweiten oder dritten Lebensjahr des neuen Menschen. Der neue Mensch kann schon viel. Er kann nicht: eine Laterne für den Sankt-Martins-Umzug basteln. Also sind wir Eltern gefordert. Der Moment, als ein Brief aus der Krabbelstube unserer Tochter uns »herzlich« einlud, bei einem Topf heißem Apfelpunsch »gemeinsam mit anderen Vätern und Müttern zu basteln«, war weder ein Schreck- noch ein richtiger Glücksmoment.

Er fiel eindeutig unter die Kategorie: Oh je, können wir das? Wir erinnerten uns, dass da mal was war: mit Papierschnipseln und Käseschachteln. Mit Pappmaché und Klebestift. Mit Luftballons, Drahtsystemen und Holzstäben. Mindestens eine Laterne, das wissen wir beide noch, ging bei jedem Umzug in Flammen auf, damals, in den rauen 1980er-Jahren. Ach, Teelichter müssen wir wohl noch kaufen. Haben wir eigentlich Uhu im Haus? Und macht man das alles heute noch so?

Nö. Niemand will unseren Uhu. Und was da alles an Hilfsmitteln auf dem Tisch liegt, während wir früher mit knispeligen Schnipseln und Herbstlaub vorliebnehmen mussten! Wir staunen über Glitzerstaub, kleine Puschel zum Aufkleben, eine zweite Puschelart, blinkende Sterne, fertige Augen, die man Filztieren oder mit Goldlack gemalten Monden einfach aufpappen kann. Den Camembert hatten wir tatsächlich umsonst gegessen – man verwendet heute geruchsfreie Rohlinge, die nur so tun, als seien sie mal Käseschachteln gewesen. Auch gut. Auf der Fensterbank: eine Bohrmaschine. Eine Bohrmaschine? Das sind die Momente, in denen man sich als Neueltern ein bisschen schämt. Ungläubige Blicke: »Habt ihr denn noch nie eine Heißklebepistole gesehen?«

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