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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Wie mich mein Glaube trägt

von Peter Otten vom 24.10.2014
Es gibt Menschen, die setzen Segel: Sie wollen aufbrechen, und sie wollen ankommen. Die Kraft, die sie hält und treibt, nennen die einen Gott. Die anderen ringen um neue Worte für ihre Sehnsucht nach Wahrheit und Liebe. Vier Geschichten

Meinen Kinderglauben hatte ich weder schleichend zurückgelassen noch in einem bewussten Entschluss abgestreift. Er war mir vielmehr entglitten, wie einem eine seltene Sammelkarte beim Spielen in den Gulli fällt. Da half kein Fummeln und Stochern, er blieb fort. Irgendwie Gott – okay. Aber dieser konkrete Jesus von Nazareth? Das erschien mir mit einem Mal so völlig unlogisch. ›Bist du der, der kommen soll?‹, fragten einst die Jünger des Johannes. ›Oder müssen wir auf einen andern warten?‹«

Christian Linker, 39 Jahre alt, war lange Jahre Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Köln. Er engagierte sich im Diözesanrat und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Dass ihm sein Glaube entglitten war, merkte lange keiner. Auch er selbst nicht. Heute lebt er als freier Autor mit seiner Familie in Leverkusen – und hat Jesus inzwischen zweimal getroffen. In echt. Und ganz ohne Kinderglauben.

»Ich hätte ihn fast übersehen, so klein und grau und leise war er«, erzählt Linker. »Das erste Mal begegnete ich ihm in der Jugendakademie Walberberg. Er stieg als Letzter aus dem Bus, war von gedrungener Gestalt und stellte sich fast schüchtern abseits der Meute auf, die zu begleiten für ihn eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme war. Er hieß Artur. In Kasachstan war er Boxtrainer von Beruf gewesen, nun gab er eine Art Sozialarbeiter für die Jugendlichen, mit denen ich es für eine Woche zu tun bekam: junge Menschen ohne Schulabschluss, ohne Perspektive, dafür teils reichlich vorbestraft. Für mich war es das härteste Seminar, das ich als ›Teamer‹ je geleitet habe. Und wenn wir abends müde auf die alten Sofas im Aufenthaltsraum sanken, holte Artur die Boxhandschuhe hervor und ging mit den Jungs trainieren. ›Was soll das noch bringen?‹, fragte ich einen der begleitenden Lehrer. ›Artur gibt keinen verloren‹, sagte der. ›Niemals. Nicht einen.‹ Klang nicht gerade logisch für mich. Doch ich war beeindruckt.«

Das zweite Mal begegnete Christian Linker Jesus in Gestalt einer Frau. Für einen Jugendbuchautor – mit Fantasie begabt, die Sensoren für das Sonderbare immer ausgefahren – könnte man das als völlig normal durchgehen lassen. Aber Linker sagt: »Ich begriff in dem Moment, als ich sie sah und hörte, dass die Logik Gottes anders tickt. Dass seine Logik dort wirkt, wo Mensche

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