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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Tauben unterm Bahnhofsdach

von Thomas Gerlach vom 24.10.2014
Michael Beleites: Umweltschützer, Bürgerrechtler, Naturfreund. Ein Porträt

Nein, das Staunen hat Michael Beleites nicht verlernt. Der DDR-Oppositionelle, der Umweltschützer, der Stasi-Aufklärer ist im September fünfzig Jahre alt geworden. »Aus nächster Nähe habe ich gesehen, wie sich Gartenrotschwänze mit Staren gestritten haben.« Er schwärmt von filigranen Wesen, von ihrer tiefschwarzen Kehle, der rostroten Brust. »Da hab ich gemerkt, wie schön die Vögel aussehen.« Es klingt noch immer wie eine Offenbarung.

Er war in der DDR vor der Revolution Staatsfeind, nach 1990 bildete er sich zum Landwirt aus, später war er Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Eigentlich erwartet man jetzt, 25 Jahre danach, ein Buch über die DDR. Doch nun sind es die Vögel der Kindheit, die ihn zu einem fast 700 Seiten starken Buch inspirierten, mit dem Beleites keinen Geringeren als Charles Darwin angreift. Zwanzig Jahre »naturkundliche Nebentätigkeit« lägen darin gebündelt, erzählt er. Sakko, Pullover, Stoppelhaare, Dreitagebart, eine Tasse Kräutertee vor sich. Er bewohnt mit seiner Familie das frühere Pfarrhaus von Blankenstein bei Dresden. Hier hat er die Ergebnisse seiner Feldstudien gesammelt, systematisiert und nun veröffentlicht.

Mit seiner Frau bewirtschaftet er einen Gärtnerhof: ein Hektar für Blumen und Kräuter, draußen hinterm Haus. Zuvor war er zehn Jahre lang Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, eine zermürbende Arbeit. Wie zum Ausgleich verwandelte er sich nach Dienstschluss in einen Naturforscher. Bei Dienstfahrten ist stets die Kamera dabei. Er fotografiert Ratten, Krähen, Stieglitze, Katzen, Pflanzen. Oft auch Tauben, irgendwo unter Bahnhofsdächern. Seine Forschungsreisen führen ihn nicht um die Welt, sondern nach Erfurt, Berlin und Magdeburg. Beleites beobachtet die Tiere: Er findet in den Städten Krähen, die weiterziehen, und solche, die brüten. Die Stadtbrüter zeigen Pigmentstörungen, manche Federn sind weiß.

Inspiriert wurde Beleites von Otto Kleinschmidt, einem Theologen und Ornithologen. Als Wanderer zwischen Naturwissenschaften und Theologie hatte er 1927 in Wittenberg das »Forschungsheim für Weltanschauungskunde« gegründet. Später in »Kirchliches Forschungsheim« umbenannt, wurde es in den 1980er-Jahren ein Zentrum der DDR-Umweltbewegung.

Von hier aus begann Michael Beleites sich mit dem Uranbergbau zu beschäftigen. Das Resultat der Recherche: die »Pechblende«

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