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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

»Es geht um Erlösung«

von Josefine Janert vom 24.10.2014
Welche Moral vermittelt der »Tatort«? Woran glauben die Kommissare? Claudia Stockinger hat das erforscht

Publik-Forum: Frau Stockinger, Sie haben über 500 Tatort-Folgen analysiert. Welche Rolle spielt die Religion in diesen Krimis?

Claudia Stockinger: Der »Tatort« spielt sehr oft in einem religiösen Umfeld: Die Münsteraner zeigten einen Mord an einem katholischen Priester, da ging es um das Thema Zölibat. Kommissar Ernst Bienzle ermittelte im Umfeld eines evangelischen Knabenchors in Stuttgart, diese Folge behandelt die Themen Korruption und Homosexualität in der evangelischen Kirche. Und in einem österreichischen Tatort wird der Jesus-Darsteller in einem Passionsspiel vom Täter tatsächlich ans Kreuz genagelt. Auch Menschen muslimischen und jüdischen Glaubens spielen eine Rolle. Eine Folge spielt im Umfeld von Scientology, eine andere in einem Milieu, in dem Menschen an Voodoo glauben.

Wie kommen die Gläubigen dabei weg? Sind sie gütig und hilfsbereit? Oder eher böse, verklemmt, bigott?

Stockinger: Weder noch. Die Religion spielt ganz selbstverständlich im Tatort eine Rolle, weil sie einfach zu unserem Alltag gehört. Wenn die Serie sich im christlichen Traditionsraum bewegt, stellt sie christliche Riten und gläubige Menschen oft sehr ausführlich dar, selbst wenn die Religion nicht das Hauptthema der Folge ist.

Welches Bild des Islams transportiert der Tatort?

Stockinger: In den 1970er- und 1980er-Jahren ging es, wenn Muslime auftauchten, zunächst nicht um ihre Religion, sondern darum, wie eine Kultur gelebt wird. Um die Jahrtausendwende ändert sich das. Das Bild wird differenzierter, wir erfahren mehr über verschiedene Strömungen innerhalb des Islams. Der Zuschauer wird dann ganz sachlich etwa über konfessionelle Unterschiede informiert. Er lernt gemeinsam mit der Kommissarin, was sie bedeuten.

Was ist mit den Folgen, die direkt im Umfeld der Kirche spielen?

Stockinger: Sie setzen sich mit gängigen Vorurteilen auseinander. Da geht es zum Beispiel um die sogenannten evangelischen Räte, den Zölibat, um das Leben im Kloster. Diese Lebensformen werden allerdings nicht lächerlich gemacht: Das Publikum wird über sie aufgeklärt. Christliche Riten sind also einerseits normale Kulisse, weil wir sie so aus dem Alltag kennen. Andererseits sind sie für viele Menschen inzwischen sch

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