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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Ein Jahr ohne »Zeugs«

von Annette Lübbers vom 24.10.2014
Eine Studentin übt den Konsumverzicht

Julia Zwick macht seit Januar dieses Jahres einen großen Bogen um Einkaufszentren. Wer anschaut, will auch kaufen. Und sie will nichts kaufen. Kein Möbelstück, kein neues T-Shirt, keine Jeans und kein Buch. Stichwort: Konsumverzicht.

Zu Silvester 2013 war die 27-Jährige auf Facebook auf eine Seite gestoßen, auf der ein Kommilitone dazu aufrief, ein ganzes Jahr auf Konsum zu verzichten. Erlaubt sei nur, was verbraucht wird: Essen und Pflegemittel. Julia Zwick, Studentin im Fachbereich »Management sozialer Innovationen« an der Hochschule in München, dachte nach und entschloss sich, das im Alltag auszuprobieren. Ein Jahr lang. »Eigentlich bin ich keine Freundin von guten Neujahrsvorsätzen. Und ich war mir ziemlich sicher, dass ich höchstens bis Ostern durchhalte«, erzählt sie lachend.

Nun ist das Jahr fast vorbei, und Julia Zwick hat tatsächlich nichts gekauft. »Stattdessen nutze ich die vielen Internetplattformen zum Tauschen, Teilen, Leihen. Von einer Freundin bekam ich eine teure Jeans, die sie nie angezogen hat.« Statt ihren Lieben Geschenke zu kaufen, verschenkt sie selbst gemachten Holundersaft oder häkelt Mützen. Ihre Mutter hilft ihr beim Nähen. »An ihrer High-Tech-Nähmaschine wäre ich alleine verzweifelt.«

Statt Geld für Anschaffungen auszugeben, investiert die Studentin ihr ohnehin schmales Budget in Erlebnisse. Sie ist ja keine Asketin. »Ich muss in der Kneipe nun nicht mehr überlegen, ob ich mir noch ein Bier gönnen kann oder ob ich am Wochenende verreise.«

Für das ganze Jahr hat sie sich zwei Joker gegönnt. Einen nutzte sie, um sich für die Hochzeit ihres Bruders etwas zum Anziehen zu kaufen, berichtet Julia. Den anderen für ein Fairphone, ein möglichst fair hergestelltes Smartphone, dessen Rohstoffe nicht aus Bürgerkriegsminen stammen. Erstaunt stellt sie fest, dass ihr Leben durch die Kaufbremse sogar an Qualität gewonnen hat. »Ich stelle mir heute viel öfter die Frage, ob ich etwas wirklich brauche. Und mir fällt auf, was die Industrie uns alles andrehen will. Überflüssiges Zeug zumeist, Dinge, die man nicht vermisst, wenn man sie nicht hat.«

Julia Zwick, die Delegierte des Landesjugendkonvents der Evangelischen Jugend in Bayern ist, hat keinen missionarischen Eifer. Sie freut sich aber, dass sie andere Menschen

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