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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Die Falle namens Jugendkult

von Otto Geissler vom 24.10.2014
Trotz Rente mit 67 und Demografie sind ältere Arbeitnehmer in vielen Unternehmen nach wie vor ungeliebt. Obwohl die Wissenschaft inzwischen die großen Stärken der Älteren betont

Kaum irgendwo sind die Widersprüche in dieser Gesellschaft größer als im Umgang mit älteren Arbeitnehmern. Da beschwören Wissenschaftler die demografische Entwicklung mit immer weniger Jungen und fordern die Wirtschaft auf, verstärkt das Wissen und die Erfahrungen älterer Mitarbeiter nachzufragen. Gleichzeitig glaubt jeder vierte Entscheider in den Unternehmen, ältere Mitarbeiter seien weniger leistungsorientiert. Das hat das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft ermittelt. Im Klartext: Ältere könnten und wollten das heutige Arbeitstempo nicht mitgehen. Zudem mangele es ihnen an Ideen und Engagement, weil sie sich keine Mühe mehr gäben, ihre Kenntnisse aufzufrischen. Diese Vorurteile führen häufig zur Ausgrenzung älterer Mitarbeiter. Und dies, obwohl die Wissenschaft mehr und mehr die großen Stärken älterer Arbeitnehmer erkennt und in Untersuchungen nachweist.

Für Ingrid Eisenmann, Ärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Lübeck, wurden Ältere auch von der Wissenschaft lange Zeit unter dem Gesichtspunkt eines Defizitmodells betrachtet. Während es bei Jüngeren vorzugsweise um Kompetenzen gehe, um besonders entwickelte Kenntnisse und Fähigkeiten, würden bei Älteren vor allem die Schwächen betont.

Das neue Bild vom Alter

Offenbar hilft das weit verbreitete Denken in Kategorien, wie beispielsweise Kompetenz oder Defizit, komplexe Zusammenhänge zu ordnen – allerdings mit einem gefährlichem Ergebnis. Betty Friedan, US-amerikanische Psychologin, bringt es in ihrem Buch »Mythos Alter« auf den Punkt: Der Jugendkult wurde in seiner Einseitigkeit zur Falle. Den Jüngeren werden geistige Kreativität, Flexibilität und Schnelligkeit attestiert. An diesen Eigenschaften gemessen, wird das Alter zum Defizit. Ingrid Eisenmann fordert stattdessen eine ganzheitliche Sicht, die die Stärken der Jüngeren nicht einfach gegen die – vermeint lichen – Schwächen der Älteren stellt.

Um genau dies zu vermeiden, beschäftigt sich die Gerontologie in den vergangenen Jahren verstärkt mit einer anderen Perspektive: Sie erforscht gezielt die Stärken älterer Menschen. Daraus ergibt sich ein Paradigmenwechsel, eine neue Betrachtung der Qualifikationen unterschiedlicher Altersgruppen. Viele Wissenschaftler gehen von einem Qualifikationswandel mit zunehmendem Lebensalter aus. Zwar nehmen die körperlichen Möglichkeiten, die

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