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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Mann ohne Hass

von Wiltrud Rösch-Metzler vom 24.10.2014
Drei Töchter hat der palästinensische Arzt Izzeldin Abuelaish durch einen israelischen Granatenangriff verloren. Dennoch hasst er die Israelis nicht

Die Granaten trafen das Kinderzimmer. Bessan, Mayar, Aya und ihre Cousine Noor waren sofort tot. »Unser Haus wurde bombardiert, meine Töchter sind tot! Oh Gott, was haben wir denn getan?«, schrie der Vater Izzeldin Abuelaish, ein Arzt aus Gaza, kurz darauf ins Telefon. Am anderen Ende der Leitung war ein israelischer Fernsehjournalist, der den Anruf live übertrug. Abuelaishs Worte gingen um die Welt.

Am 16. Januar 2009 geschah die Tragödie. »Meine Bessan, von der ich so viel gelernt habe, Mayar, die Ärztin werden wollte, Aya wollte Journalistin werden. Warum wurden sie getötet, und ich habe überlebt?« Der Gynäkologe aus Gaza wuchs selbst in einem Flüchtlingslager auf, sein Leben war geprägt von Krieg und Gewalt. Nach dem Tod seiner Töchter war er voller Wut, voller Schmerz. Aber er verbot sich selbst, zu hassen. »Wenn man den anderen hasst, zerstört einen das selbst. Man muss stark sein und darf dem Hass keine Chance geben.« Wut könne zugelassen werden, dürfe sich aber nicht in Gewalt äußern, sondern in einem Kampf gegen Ungerechtigkeit.

Abuelaish tut alles, um diese Überzeugung zu verbreiten. Er hat ein Buch verfasst – »Du sollst nicht hassen« heißt es. Darin hat er seine Lebensgeschichte niedergeschrieben: die Vertreibung der Familie in ein Flüchtlingslager, seine Kindheit und Jugend dort, sein Bildungshunger, der frühe Tod seiner Frau und das Leben mit seinen acht Kindern. Das Theaterhaus in Stuttgart bringt seine Lebensgeschichte nun auf die Bühne.

Heute lebt der Gynäkologe in Kanada und lehrt an der Universität von Toronto. Seine Heimat Palästina lebt in seinem Herzen. Einmal im Jahr kehrt er nach Gaza zurück. »Die Opfer tragen Namen«, mahnt er und sagt: »Wenn meine Töchter die letzten Opfer wären, könnte ich ihren Tod akzeptieren.« Er spricht sich deutlich gegen die Besatzung aus. Wie bei einer Krankheit auch müssten bei diesem politischen Konflikt die Ur sachen bekämpft werden. Das bedeutet für ihn: Die Besatzung muss beendet werden.

Abuelaish ist gläubiger Muslim. Und überzeugt davon, dass der Tod seiner Töchter ihm einen Auftrag gegeben hat. Er ermutigt seine Mitmenschen, von Selbstmitleid und Opferrolle wegzukommen und aktiv zu werden – friedlich. Er selbst hat eine Stiftung mit dem Namen »Daughters for Life« – Töchter für das Leben – gegründet, die Gesundheits- und Bildungsprogramme für Mädche

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