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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

Wenn Glaube Berge versetzt

von Bettina Röder vom 26.10.2012
Benefizkonzert für Indien in der Berliner Gethsemanekirche

Begonnen hatte alles vor Jahren mit einem Gemeindeabend in der evangelischen Berliner Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg. Da war Martin Kämpchen zu Gast, der katholische Journalist und Übersetzer. Er berichtete über sein ganz und gar ungewöhnliches Engagement in den Tausenden von Kilometern entfernten Dörfern mit den komplizierten Namen Goshaldanga und Bishnubati. Sie liegen in Indien, unweit von Kalkutta. Die Dorfbewohner waren im Kastensystem der Hindus ganz unten angesiedelt. Sie wurden einst von der britischen Kolonialmacht missioniert. Die Mehrzahl bekannte sich seither zum christlichen Glauben, die eigene Kultur geriet in Vergessenheit. Am Elend der Leute änderte sich nichts. Im Gegenteil.

Was Martin Kämpchen gemeinsam mit dem von ihm gegründeten Freundeskreis und Verein für sie tun konnte, war auch jüngst Thema, als er erneut in der Gethsemanekirche zu Gast war. Diesmal bei einem Benefizkonzert des Gewandhaus-Chores Leipzig für die beiden Dörfer. Pfarrer Christian Zeiske und seine Frau Dorothea Simon-Zeiske hatten mit ihrer für ihre Offenheit stadtbekannten Gethsemanegemeinde sowohl Kämpchen als auch den Chor eingeladen. Der führte das Stück Pran auf, das zuvor schon in Kalkutta zu hören gewesen war. Der 64-jährige Kämpchen las in der Kirche aus seinen Büchern, die zeigen, welche Kraft christliches Engagement entfalten kann, wenn es nicht hinter Kirchenmauern bleibt.

Begonnen hatte er Mitte der 1980er-Jahre damit, die Kinder in den beiden Dörfern zu unterrichten und Jugendliche zu Lehrern ausbilden zu lassen. Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe. Später dann wurde die Infrastruktur der beiden Dörfer, die der in Indien lebende Kämpchen anfangs mit dem Fahrrad bereiste, verbessert: Obstbäume wurden angepflanzt, Latrinen erneuert, die Ernährung der Bewohner, die vor allem vom Reisanbau leben, verbessert. Doch dabei ließ es Kämpchen nicht bewenden. Er erweckte die durch die Missionierung verschüttete Kultur der Ureinwohner, der Santals, zu neuem Leben. Mit den Dörflern arbeitet er daran, sich in der indischen Gesellschaft zu emanzipieren. So gibt es nun Sendeplätze in den lokalen Rundfunkstationen mit Musik- und Redebeiträgen aus der Kultur der Santals. »Kultur auf Augenhöhe mit den Menschen in Indien« – das war auch das geheime Motto des Benefizkonzerts im Oktober in der Gethsemanekirche. Dass e

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