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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2010
Strom ohne Atom
Der Konflikt, die Bewegung, die Zukunft
Der Inhalt:

»Wir leben als Einzelkämpferinnen«

von Johanna Jäger-Sommer vom 22.10.2010
Was heißt Feminismus in Polen? Ein Land, seine Frauen und eine Kirche im Umbruch. Fragen an die Theologin Elzbieta Adamiak

Frau Adamiak, gerade erst wurde in Polen der Streit um das Kreuz beigelegt, das vor dem Präsidentenpalast stand. Der Zwillingsbruder des tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski und seine Anhänger instrumentalisierten die Trauer für ihre rechte Politik – und weite Teile der katholischen Kirche machten mit. Was ist mit dieser Kirche los? Rutscht sie politisch ganz nach rechts?

Elzbieta Adamiak:Viele Menschen mit fundamentalistischen Einstellungen identifizieren sich mit dem Sender Radio Maryja. Aber welche Bedeutung das für die Politik hat, ist abhängig von der jeweiligen Situation. Schlimm ist, dass viele kirchliche Amtsträger – Priester und Bischöfe – sich für die Ziele unterschiedlicher Parteien vereinnahmen lassen. Und so findet in der Kirche eine Polarisierung statt. Nach der Flugzeugkatastrophe, bei der Lech Kaczynski und viele andere starben, wurde durch den Schock die Einheit erlebt, aber bald danach gingen die Richtungen wieder auseinander.

Welche Rolle haben die Bischöfe?

Adamiak: Nachdem Pfadfinder zur Erinnerung an die Verstorbenen der Katastrophe ein Kreuz vor den Präsidentenpalast gestellt hatten, vereinbarte der Erzbischof von Warschau Kazimierz Nycz mit ihnen und dem neuen Präsidenten Bronislaw Komorowski, dass dieses Kreuz in die nahe gelegene St.-Anna-Kirche gebracht wird. Doch das haben die »Verteidiger des Kreuzes« nicht zugelassen. Nach langem Ringen wurde es Mitte September in die Kapelle des Palastes gebracht. Aber es hatte sich gezeigt, dass es den Menschen wochenlang egal war, was Staat und Kirchenobere ausgemacht hatten.

Eine schwache polnische Kirche ... Was ist aus dem einstigen Bollwerk gegen das kommunistische Regime geworden?

Adamiak: Zum einen haben wir nun keinen gemeinsamen Feind mehr, der uns eint. Zum anderen hat nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. eine neue Zeit begonnen: Jetzt ist sichtbar, dass kein einziger kirchlicher Amtsträger dessen Autorität hat. Die Kirche ist in einer Umbruchsituation; das stärkt die traditionellen Kräfte. Wer unsicher ist, versucht, etwas Sicheres zu haben.

Wie positionieren sich die Frauen?

Adamiak: Sehr unterschiedlich. Zwei Beispiele: Im polnischen Parlament stellte in der letzten Leg

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