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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2010
Strom ohne Atom
Der Konflikt, die Bewegung, die Zukunft
Der Inhalt:

Mein Essen zahl ich selbst

von Heike Holdinghausen vom 22.10.2010
Pharmavertreter? Nein danke. Die Ärzte-Initiative »Mezis« widersteht den charmanten Bestechungen der Arznei-Industrie

Kunstdrucke zieren die pastellgelben Wände des Wartezimmers. Von draußen dringt Vogelgezwitscher in die Gemeinschaftspraxis für Nieren- und Hochdruckkrankheiten von Facharzt Thomas Lindner auf dem Gelände der Klinik Hennigsdorf am Stadtrand von Berlin. Es ist eine ganz gewöhnliche Praxis für Menschen, die an Diabetes leiden oder an Bluthochdruck.

Doch wer sich genau umschaut, merkt den Unterschied: Wandkalender und Terminzettel ohne Logos von Pharmakonzernen. Keine Broschüren über Medikamente, keine Faltblätter über neue Therapien. Denn der 60-jährige Internist Lindner ist Mitglied der Ärzteorganisation Mezis Mein Essen zahl’ ich selbst. Das Netzwerk will den Einfluss der Pharmaindustrie auf die Ärzte eindämmen. In den USA, Großbritannien oder Italien arbeitet die Initiative no free lunch schon länger, in Deutschland wurde die Bewegung vor drei Jahren gegründet. Noch sind erst etwa 200 Ärzte Mitglied – von rund 140 000 niedergelassenen Medizinern.

»Als ich von dem Netzwerk gehört habe, bin ich sofort eingetreten«, sagt Lindner, der inzwischen zum Vorstand des Vereins gehört. Schon lange waren ihm die ständigen Besuche von Pharmavertretern in seiner Praxis und die von der Industrie gesponserten Fortbildungsveranstaltungen unangenehm. Die seien zwar schön gewesen: Gutes Essen, interessante Gespräche mit Kollegen. Doch von solchen Kontakten blieben nicht nur Blöcke und Kugelschreiber zurück, sondern immer auch ein bleibender Eindruck vom neusten Medikament des entsprechenden Unternehmens. »Meine Patienten sollen sich aber darauf verlassen können, dass ich meine Entscheidungen unbeeinflusst von der Industrie treffe«, sagt der Arzt mit den schütteren grauen Haaren. Inzwischen hängen auch seine 14 Mitarbeiter lieber Kalender von umliegenden Handwerksbetrieben auf. Und Stifte und Blöcke werden gekauft.

Als Lindner seine Praxis 1997 übernahm, wurde er von Pharmaunternehmen schon mal mitsamt Ehefrau zu einem »Informations- und Wellness-Wochenende« nach München eingeladen. Ein anderer Konzern wollte ihm einen Laptop schenken. Inzwischen haben die Unternehmen wohl schon eingesehen, dass solches Marketing ihrem Ruf eher schadet als nutzt. Darum unterwerfen sie sich einem Verhaltenskodex, der von der Freiwilligen Selbstkontrolle (FS) der

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