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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2010
Strom ohne Atom
Der Konflikt, die Bewegung, die Zukunft
Der Inhalt:

Eine neue Brille aufsetzen

von Burkhard Müller vom 22.10.2010
Jesu Tod war ein Opfertod, ja. Aber keine von Gott gewollte Sühne. Eine solche Sicht widerspricht nämlich der Bibel

War der Tod Jesu am Kreuz ein von Gott gewollter Sühnetod? In die Debatte über diese Frage, die seit einigen Ausgaben in Publik-Forum geführt wird, schaltet sich nun auch der frühere Bonner Superintendent Burkhard Müller ein. Er hatte mit kritischen Hörfunk-Ansprachen im WDR eine öffentliche Auseinandersetzung in der rheinischen Landeskirche über den Sinn und Unsinn der Kreuzestheologie ausgelöst.

Sie erschraken aber und fürchteten sich.« So kann die Bibel vom Schrecken erzählen, den Ostern auslöst. Und davon, dass die Erfahrung des Auferstandenen den Paulus wortwörtlich vom Pferd schlägt! Die Osterbotschaft ist gewaltiger als der brave Entschluss treuer Jünger, trotz des Todes Jesu seine Sache nicht aufzugeben, sondern weiterzutragen. Der Osterglaube entsteht auch nicht als Folge der Entdeckung, dass das Grab Jesu leer war. Ostern ist vielmehr ein Geschehen von kategorial anderer Art, unvergleichbar, unvorstellbar, unerklärbar, unbeschreibbar. »Wovon man nicht reden kann, darüber sollte man schweigen …«, so sagte einmal der Philosoph Ludwig Wittgenstein.

Doch die Jünger müssen von dem neuen Leben Jesu reden. Durch Ostern wissen sie sich dazu berufen. Aber wie kann man für ein so unvergleichliches Ereignis passende Begriffe und Worte finden?

An Ostern wird klar, dass Jesus mit Titeln wie »Prophet« und »Rabbi« nicht angemessen beschrieben wird. In einem sehr kreativen Prozess finden die ersten Christen viele Metaphern für den Auferstandenen: Er ist der Sohn Gottes, Messias, Menschensohn, Retter, Wahrheit, Weg, Licht der Welt, König, Brot des Lebens, guter Hirte, Zeuge der Wahrheit und vieles, vieles mehr.

Ein großes Problem war, dass dieser auferstandene Herr vorher am Kreuz gestorben war. Mit der Kreuzigungs-Botschaft haben die ersten Christen bei ihren damaligen Zuhörern viel Spott geerntet. Für die Juden war es ein »Ärgernis«, denn wusste nicht jeder, dass der wirkliche Messias niemals einen Verbrechertod sterben kann?

Und für die Gebildeten unter den Griechen war das schlicht dumm, eine »Torheit«. Denn wusste nicht jeder, dass Gott der »ewig Seiende« ist, der »unbewegte Beweger«, der sich niemals so in die Geschichte hineingeben kann, dass er zuletzt zwischen den Mühlsteinen der Geschichte zerrieben wird, dass er am Kreuz hingerichtet wird?

Trotzdem leugnete

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