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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Buch des Monats: Wahn des Wachstums

von Norbert Copray vom 07.10.2016
Eine prophetische Kritik der Ausbeutung von Mensch und Natur

Eugen Drewermann
Geld, Gesellschaft und Gewalt
Kapital & Christentum 1. Patmos. 406 Seiten. 32 €

Zu den Dauerbrennern in der Lohn- und Gehaltsdebatte gehört die Frage: Wie teuer kommen die Löhne den Unternehmer? Der Appell der Arbeitgeber, die Firmen nicht zu sehr durch Gehaltserhöhungen zu belasten, ist zu einem Mantra geworden. Doch »die Frage sollte lauten, wie viel die sich bereichernden Unternehmer an der Arbeit ihrer Angestellten verdienen«.

Unter diesem Blickwinkel entwickelt der Theologe, Psychoanalytiker und Bestsellerautor Eugen Drewermann seine Kritik an den herrschenden Verhältnissen. Mancher wird sich verwundert die Augen reiben, wie Drewermann dazu kommt, sich mit derart ökonomischen Themen zu befassen. Doch wer ihn kennt, weiß: Drewermann gehört zu jenem Typ von Universalgelehrten, wie er heute nur noch selten anzutreffen ist. Sein Interesse an der Welt, sein breites Wissen, seine analytische Kraft, seine kritische Reflexion und der Bezug auf seinen jesuanisch-christlichen Glauben greifen faszinierend ineinander und erklären die Überzeugungskraft seiner zahlreichen Bücher. Wirtschaftsethische, ökologische, sozialkritische und gesellschaftspolitische Einlassungen fanden sich auch schon in früheren Schriften.

In seinem neuen, auf zwei Bände angelegten Werk »Kapital und Christentum« führt er seine Einlassungen zu einem fundierten Entwurf zusammen. Er befasst sich zunächst mit dem »Wahn des Wachstums«. Schon das umfangreiche, in einem geharnischten Tonfall gehaltene Vorwort bietet einen Überblick über das aktuelle ökonomische System. Daran anschließend erörtert Drewermann, was faire Preise, faire Löhne und fairer Handel eigentlich sind oder sein sollten. Und vor allem: was Unfairness dabei jeweils bedeutet. Faire Preise beziehen die ökologischen Kosten von Produktion, Arbeit und Verkauf mit ein. Faire Löhne berücksichtigen sozialpolitisch die derzeit der Gesellschaft und den Arbeitnehmern aufgeladenen Kosten, die aus dem Umgang der Arbeitgeber mit den Beschäftigten und den Arbeitslosen entstehen. In diesem Kontext kommt es zur eingangs zitierten Frage. Das Fazit: Fair ist nur »ein Handel, der global gerecht ist«.

Wer sich auf Drewermanns Buch einlässt, muss sich auf referatsähnliche Ausführungen zur Volkswirtschaftslehre gefasst machen, die neben den Grundlagen eine sehr kritisch

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