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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Härte und Barmherzigkeit

Die römische Kirche will modern werden. Aber schwule Priester will sie nicht

Was ist das nur für eine Kirche? Sie hat einen Papst, der eine Weltfamiliensynode vom Zaun gebrochen hat. Unter deren harmlosen Titel werden in diesen Tagen krasse Konflikte thematisiert, zum Beispiel diese: Darf man wiederverheiratete Geschiedene weiter ausgrenzen? Wer darf Abtreibung vergeben? Und warum sind Lesben und Schwule in der Kirche eigentlich Menschen zweiter Klasse? Sie hat also einen Papst, diese Institution, der vieles ändern will. Aber sie hat auch Verhaltensmuster, die mit pathologischer Präzision funktionieren. So outete sich just an jenem Wochenende, an dem die Synode begann, ein Priester aus der vatikanischen Glaubensbehörde als schwul – und wurde entlassen. Damit hatte er gerechnet; deshalb inszenierte er sein Coming-out medienwirksam.

Krysztof Charamsa, 43, kam in Begleitung seines Partners zur Pressekonferenz. Dort beschuldigte der bislang linientreue Mitarbeiter von Kardinal Gerhard Ludwig Müller seinen Chef, er sei »das Herz der Homophobie der Kirche«. Wie viele Jahre der Doppelmoral mussten vorausgehen, bis sich dieser Satz Bahn brechen konnte?

Man kann darüber streiten, ob Charamsa ein Held ist. Sein spätes Outing zeigt, dass man in den schwulen Netzwerken des Vatikans gut leben kann, solange man die Doppelmoral aushält. Charamsa hielt sie nicht mehr aus. Aber damit ist die Verlogenheit des Systems nicht zum Einsturz gebracht. Allenfalls wackelt es ein wenig im Gebälk.

Soll die Synode zum Erfolg werden, dann müsste sie viele pathologische Muster der Kirche aufbrechen. Etwa ledige Mutterschaft nicht mehr in Maria verehren und bei Millionen von Frauen verachten. Etwa prominente Ehen schnell annullieren und gleichzeitig die Ehescheidung verdammen. Oder