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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

»Diese Texte sind viel direkter«

Die Germanistin Petra Anders erforscht das Phänomen Poetry-Slam

Publik-Forum: Frau Anders, Sie sind Germanistin und waren 2003 die erste, die das Thema »Poetry-Slam« erforscht hat. Was hat Sie daran gereizt?

Petra Anders: Damals arbeitete ich als Lehrerin und bedauerte immer wieder, wie desinteressiert viele Jugendliche an Lyrik waren. Wenn ich aber mal einen Poetry-Slam besuchte, wunderte ich mich, wie beliebt die selbstgeschriebenen Texte dort waren. Dem wollte ich auf den Grund gehen. Das Netzwerk der Poetry-Slammer hat sich dabei als sehr offen erwiesen, die empirische Arbeit war deshalb hier gut möglich.

Was haben Sie herausgefunden?

Anders: Besonders für junge Männer ist Poetry-Slam attraktiv, weil es um Wettbewerb geht und weil sie dabei viel herumkommen. Das Reizvolle für viele Dichter ist der Publikumskontakt – und das schnelle und spontane Schreiben. Oft werden Alltagsbeobachtungen niedergeschrieben und dann mit dem Publikum geteilt. Das ist ein bisschen wie bei Facebook und anderen Online-Netzwerken. Das Publikum ist eher studentisch geprägt, offen und selten politisch.

Was macht diese Kunstform so attraktiv?

Anders: Poetry-Slams sind ein niederschwelliges Angebot, bei dem wirklich jeder mitmachen kann. Die Dichter bringen sich gerne selbst auf die Bühne und stellen sich dar. Ihre Auftritte werden auch oft bei YouTube veröffentlicht. Für die Zuschauer liegt der Reiz darin, sich die Performance anzuschauen, zu lachen und Texte mit Themen zu hören, die sie oft selbst interessieren und betreffen.

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