Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

»Kirchenführer müssen sich einmischen«

von Annette Lübbers vom 10.10.2014
Warum Karlheinz Fritz nicht aufhören kann, Friedensbriefe an religiöse Amtsträger und Politiker zu schreiben

»Du bist doch naiv«, sagen die Leute manchmal zu mir. Vielleicht bin ich das auch. Aber war nicht auch Mahatma Gandhi auf seine Art naiv? Ich kann mich mit der Heillosigkeit der Welt einfach nicht abfinden. Und deshalb schreibe ich Briefe.

Ich habe Leserbriefe an Wochenzeitungen geschrieben, Briefe an Papst Johannes Paul II. und Benedikt XVI., an katholische und evangelische Bischöfe. Fast fünfzig Briefe habe ich in den vergangenen Jahren verschickt. Sogar Saddam Hussein hat von mir einen offenen Brief bekommen, als er noch glaubte, den Irak fest im Griff zu haben.

Es treibt mich einfach um: die Kriege, die Morde, der Fanatismus. Bürgerkrieg in Syrien, der Terror des sogenannten Islamischen Staates im Irak, Mordkommandos in Mali. So viele Schreckensnachrichten, so viele Bilder des Elends. Da warte ich darauf, dass unsere christlichen Würdenträger sich zu Wort melden, sich einmischen und auf die Vertreter anderer Religionen einwirken. Dann setze ich mich wieder an den Schreibtisch, schreibe einen Brief und fordere sie persönlich dazu auf.

Eine Antwort bekomme ich aber nur selten. Erhalten die Adressaten meine Briefe überhaupt? Manchmal glaube ich, dass die Post bereits im Vorzimmer abgefangen und beseitigt wird.

Trotzdem: Mein christliches Menschenbild treibt mich einfach dazu, den Einsatz für Frieden und Verständigung anzumahnen. Ich habe auch als Lehrer versucht, meinen Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass wir als Christen Unrecht nicht gedanken- und tatenlos hinnehmen dürfen. Jesus hat sich eingemischt, dafür gibt es in der Bibel viele Beispiele. Das müssen unsere Kirchenführer doch genauso sehen. Aber warum gibt es dann keine gemeinsamen Friedensappelle? Warum erheben so wenige ihre Stimmen – mutig, klar und eindeutig? Kann es uns Christen genug sein, für den Frieden in der Welt zu beten? Ich glaube das nicht.

Inzwischen ist das Briefeschreiben aber nicht mehr so zeitgemäß. Vielleicht muss ich das aufgeben und mir jüngere Mitstreiter suchen, die sich mit dem Internet auskennen. Möglicherweise kann ich im Netz Menschen finden, die das Friedensthema ebenso umtreibt wie mich. Leute, die neue und moderne Ideen haben, wie man auf die Mächtigen einwirken kann und sie bewegt, Verantwortung zu übernehmen. Leichter wäre es natürlich, den »Frieden in der Welt« einfach anderen

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen