Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

In Zeiten der Angst

von Norbert Copray vom 10.10.2014
Wie man religiöse Intoleranz und die eigenen Vorurteile erfolgreich abwehren kann

Martha Nussbaum
Die neue religiöse Intoleranz
Ein Ausweg aus der Politik der Angst. WBG. 220 Seiten. 39,95 €

Den grausamen islamistischen Kämpfern im Irak und anderswo mit Toleranz zu kommen ist vergeblich. Toleranz gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen ist für sie selbst nicht nur ein Fremdwort, sondern sogar eine schwere Sünde. Sie wollen mit ihrer grausamen Islamversion von Afghanistan bis Andalusien herrschen, egal wie viele Menschenleben das kostet. Doch indem sie Schrecken verbreiten, pflanzen die Milizen auch immer stärker das Bild vom angstmachenden und intoleranten Islam in die Menschen ein.

Da hat es der Versuch, für Toleranz zu werben, derzeit besonders schwer. Martha Nussbaums neues Buch »Die neue religiöse Intoleranz« greift die »Politik der Angst« und die praktische Intoleranz vieler Menschen auf, die sich als Reak tion auf bestimmte Formen des Islams, aber auch anderer Religionen aufbaut. Sie skizziert zunächst die »Zeit der Angst und der Verdächtigungen«, in der wir gerade leben, und wie sie das problematische Verhalten vieler gegenüber Migranten und der eigenen Nationalität gegenüber prägt.

Die Autorin analysiert die Grundlagen und Formen der Angstreaktionen auf Fremdheit bis hin zu »ethnischer Feindschaft«. Und sie zeigt zugleich, wie solche »Ängste in den Griff zu kriegen« sind: »solide Grundsätze einschließlich der Achtung der Gleichheit aller Menschen; Argumente, die nicht einem selbst dienen und auf einen angeblichen Fehler bei der Minderheit abzielen, der aber tatsächlich in der Mehrheitskultur allgegenwärtig ist; eine Phantasie, die zu Neugier und Sympathie befähigt«.

Überzeugend greift die Chicagoer Philosophieprofessorin Grundprinzipien der religiösen Toleranz auf, wie sie etwa Kaiser Ashoka im dritten oder zweiten vorchristlichen Jahrhundert in Indien vertrat; oder wie sie im Denken und in der Praxis des muslimischen Kaisers Akbar im 16. Jahrhundert zu finden sind; oder in den nordamerikanischen und europäischen Verfassungen und den ihnen zugrunde liegenden Traditionen von Seneca, der Stoa und Sokrates über Immanuel Kant, den amerikanischen Philosophen Roger Williams im 17. Jahrhundert bis hin zum ersten US-Präsidenten George Washington und dem katholischen französischen Philosophen Jacques Maritain Ende des 19. Jahrhunderts.

Nussbaum bündelt

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen