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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

Im Beiboot der Arche

von Barbara Tambour vom 10.10.2014
Warum man Zoos nicht einfach abschaffen kann und Menschenaffen sehr besondere Pfleglinge sind. Ein Gespräch mit Jörg Adler, dem Direktor des Allwetterzoos Münster

Publik-Forum: Haben Sie ein Lieblingstier im Zoo?

Jörg Adler: Ich hatte eines: den Rudelführer der Schimpansen. Zu ihm hatte ich ein sehr emotionales Verhältnis. Kam ich ins Menschenaffenhaus, begrüßte er mich und wurde ungehalten, wenn ich nicht hinters Gehege kam, da, wo ich eine Hand durchs Gitter strecken konnte. Aber die Schimpansen gibt es nicht mehr im Allwetterzoo Münster, die habe ich abgeschafft.

Warum das?

Adler: Schimpansen und Gorillas bewohnten ein vierzig Jahre altes Haus mit gefliesten Innengehegen. Im Sommer war das kein Problem, sie konnten viele Stunden am Tag im großzügigen Außengelände verbringen. Doch im Winter saßen sie sechs Monate lang in ihren beengten Käfigen. Das entspricht nicht der Würde von Tieren, schon gar nicht von Menschenaffen. Welcher Mensch würde sich freiwillig das Winterhalbjahr über in sein Badezimmer setzen? Da wir nicht das Geld hatten, das Menschenaffenhaus neu zu bauen, haben wir die Schimpansen in den Zoo von Magdeburg abgegeben. Dort leben sie in einem neuen, großen Gehege. Und hier in Münster haben die Gorillas jetzt doppelt so viel Platz.

Zookritiker wie der Menschenaffen-Aktivist Colin Goldner sind grundsätzlich gegen die Gefangenhaltung von Menschenaffen.

Adler: Menschenaffen sind für Zoos eine hohe moralische Herausforderung. Sie sind sehr besondere Pfleglinge. Goldner jedoch ist ein böser Draufhauer, sein Buch »Lebenslang hinter Gittern« ist eine polemische Abrechnung. Man kann ja Zoos hassen. Aber man sollte sachlich bleiben.

Lehnen Sie die Kritik der Tierrechtler an Zoos rundweg ab?

Adler: Es gibt Tierrechtler, die ich achte. Die haben ein ehrliches, moralisches Anliegen: Sie wollen keine Tiere in Zoos. Herr Goldner aber ist nur ein Zoohasser, sein Buch eine Ansammlung von Halbwahrheiten und Lügen.

Sie selbst bezeichnen sich zuweilen auch als Zookritiker.

Adler: Das bin ich auch. Vor zwei Jahren haben wir die Delfine abgegeben, davor habe ich die Eisbären abgeschafft, die Flusspferde und die Riesenschildkröten, weil der Platz nicht da war oder die Gegebenheiten in den Gehegen nicht stimmten.

Sind Si

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