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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

Ein Dorf wird wachgeküsst

von Gesa Wicke vom 10.10.2014
Als Siedler im wilden Osten: Vor fast zwanzig Jahren zogen Öko-Pioniere in die vorpommersche Provinz. Und machten ernst mit den blühenden Landschaften

Die Straße, die nach Klein Jasedow führt, ist alt und holprig. Eigentlich ist es fast nur ein Feldweg, der sich Kilometer um Kilometer durch die einsame Landschaft schlängelt. Obst- und Kastanienbäume säumen den Straßenrand, und unter dem weiten Himmel liegen die Felder, nichts als Felder. Sogar das Navi hat Probleme, den kleinen Ort zu finden, irgendwo zwischen Anklam und Wolgast, im nordöstlichen Zipfel Vorpommerns. Und als man die Hoffnung schon aufgeben will, jemals in Klein Jasedow anzukommen, liegt es plötzlich da: eine Handvoll alter Bauernhäuser, viel Grün und sonst nichts. Einen »Ort der Geborgenheit« nennt Johannes Heimrath das Dorf, »einen Ort, der dich mit Freude erfüllt«.

Das war nicht immer so. Nach der Wende zogen die Menschen scharenweise fort von hier. Armut und Arbeitslosigkeit bestimmten den Alltag, und Dörfer wie Klein Jasedow drohten von der Landkarte zu verschwinden. Durch Zufall liest Heimrath in der Zeitung von Klein Jasedow und weiß sofort: Das hier ist der richtige Ort für seine Visionen. Mit fünfzehn Gleichgesinnten zieht er 1997 nach Ostvorpommern, um das Dorf wieder aufzubauen.

Nomaden werden sesshaft

Sie seien keine Heilsbringer oder Glückssucher, sagt Heimrath. Vielmehr wollen sie mit ihrem ganzheitlichen Lebensprojekt Hoffnung in eine Gegend bringen, in der viele das Gefühl haben, »dass alles immer nur schlimmer wird«. Die Wahlfamilie aus dem Westen, die keine Kommune sein will und auch keine WG, lebt schon seit Mitte der 1970er-Jahre zusammen – vereint in dem Wunsch nach einer anderen, einer besseren und gesünderen Welt. Erst in Bayern, dann in der Schweiz kämpft die Gruppe für Naturschutz und freie Bildung und für mehr soziales Miteinander.

»Bis wir nach Klein Jasedow kamen, waren wir eher Nomaden«, sagt Johannes Heimrath rückblickend. »Doch als wir hier Land kauften, war klar: Das wird so etwas wie unsere Heimat.« Heimrath, der viele Jahre seines Lebens rastlos durch die Welt gezogen ist, verspürte Sehnsucht nach Sesshaftigkeit – auch wenn er Haus und Hof »nicht besitzen, sondern behüten« will.

Mit drei Lastwagen rollt die Lebensgemeinschaft gen Vorpommern, im Gepäck wenig Geld und viele Ideen. Mit finanzieller Hilfe von Familie und Freunden können die Neuankömmlinge ein paar der maroden Gebäude des Dorfes kaufen und dazu ein wenig Bau- und Ackerland. Auch die Erlöse aus

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