Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Gehätschelt und doch betrogen?

von Barbara Tambour vom 11.10.2013
Warum Familien mit Kindern viel mehr an den Staat zahlen, als sie an Familienleistungen vom Staat erhalten. Fragen an den Sozialrichter und Sozialstaats-Kritiker Jürgen Borchert

Sie gehen mit der deutschen Familienpolitik scharf ins Gericht: Der Staat hole den Familien die Sau vom Hof und gebe ihnen dafür drei Koteletts. Was ist die Sau, was das Kotelett?

Jürgen Borchert: Die Sau, das sind die Steuern und Sozialabgaben, die Familien zahlen. Die Koteletts, das sind die Familienleistungen wie die »Babyjahre« in der Rente oder das Kindergeld. Dabei nimmt der Staat den Familien ein Vielfaches weg im Vergleich zu dem, was er ihnen gibt. Und im Rentensystem werden sie um die Früchte ihrer Erziehungsleistungen geprellt.

Aber ich erhalte doch für meine zwei Kinder 368 Euro Kindergeld im Monat, habe einen Kinderfreibetrag bei der Einkommenssteuer, meine Kinder sind beitragsfrei mit mir krankenversichert, und der Staat bezahlt noch Kindergärten und Schulen. Werden Familien nicht reich beschenkt?

Borchert: Das ist nur die Ausgabenseite. Entscheidend ist die Einnahmenseite. Der Staat gewinnt etwa vierzig Prozent seiner Einnahmen durch Sozialbeiträge. Diese Beiträge sind für alle gleich hoch, egal ob einer viele oder keine Kinder hat. Das widerspricht dem Verfassungsgrundsatz der Belastung nach Leistungsfähigkeit. Familien mit Kindern sind weniger leistungsfähig, weil sie ja mehr Menschen zu versorgen haben. Und dann kommt noch die Belastung durch die Mehrwertsteuer hinzu, die Familien stärker trifft als andere.

Weil Familien mehr Essen, Kleider, Schulsachen einkaufen müssen.

Borchert: Je kleiner das Einkommen, desto mehr schlägt der Anteil der Konsumausgaben zu Buche – und desto höher ist der Anteil der Verbrauchssteuern, der an den Staat abgeführt werden muss. Diese zwei Posten – Sozialbeiträge und Verbrauchssteuern – machen etwa siebzig Prozent der staatlichen Einnahmen aus. Und sie belasten insbesondere Familien weit überproportional. Das heißt, dass in jeder Kelle staatlicher Umverteilung immer diese siebzig Prozent drin sind, für die die Familien besonders zur Kasse gebeten worden sind.

Aber Singles und Kinderlose zahlen doch schon höhere Steuern. Und die obersten zehn Prozent der Lohn- und Einkommenssteuerzahler tragen mehr als die Hälfte der staatlichen Einnahmen aus dieser Quelle.

Borchert:Ja, aber was heißt das? Wenn zehn Prozent der Einkommenssteuerzahler die Hälfte

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen