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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Der missverstandene Gott

von Britta Baas vom 11.10.2013
Lässt sich im Namen Allahs Recht sprechen? Mouhanad Khorchide grübelt über die Schrecken der Scharia

Über kaum einen Begriff wird so kontrovers diskutiert wie über den Begriff Scharia. Viele Muslime fordern deren Einführung »und sehen darin den Weg zur Glückseligkeit hier im Diesseits und später im Jenseits. Viele Nichtmuslime haben Angst vor der Scharia und sehen darin ein menschenfeindliches restriktives System, das weder mit demokratischen Grundwerten noch mit den Menschenrechten vereinbar ist«.

Mit dieser Analyse trifft Mouhanad Khorchide in seinem neuen Buch unter dem Titel »Scharia – der missverstandene Gott« ins Schwarze. Der Professor für Islamische Religionspädagogik, 1971 in Beirut geboren und seit mehreren Jahren in Deutschland lebend, präsentiert sein jüngstes Werk zur Frankfurter Buchmesse. So hat er es schon im letzten Jahr mit dem Buchvorgänger »Islam ist Barmherzigkeit« getan. Beide Buchtitel verraten, worum es dem Autor und Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster geht: den Islam als eine Religion zu zeigen, die den Debatten der Moderne gewachsen ist. Hieß der Untertitel seines Buches von 2012 »Grundzüge einer modernen Religion«, so heißt er jetzt »Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik«.

Doch die Welt ist gar nicht mehr modern, sondern postmodern. Zahlreiche Entwürfe persönlicher Religiosität existieren nebeneinander; und immer weniger Menschen warten darauf, dass wissenschaftliche Erkenntnisse zu allgemeingültigen Neuerungen in einer Religion führen. Man verlässt sich auf sich selbst, glaubt an seinen eigenen Gott, zieht seine eigenen normativen Schlüsse. Darin unterscheiden sich Muslime nicht von allen anderen Menschen. Das weiß auch Khorchide.

Wohl deshalb beginnt er sein Buch mit einer persönlichen Geschichte, die die Leserinnen und Leser in der postmodernen Welt abholen soll, um sie sodann in den modernen Wissenschaftsdiskurs mitzunehmen. Er berichtet von einer Begegnung am Flughafen von Casablanca. Die Leiterin der Passkontrolle entpuppt sich nicht nur als wissensdurstige Fragerin, die vom reisenden Professor so viel wie möglich über einen modernen Islam erfahren will, sondern auch als eine die Regeln des Islams buchstabengetreu auslegende Gläubige. Ihr Grund: »Ich habe Angst vor Gott.«

Hier nun setzt Khorchides Religionskritik an: »Ich wollte dieses Buch zum Thema Scharia mit der Erzählung dieser Begegnung beginnen, um dem Leser etwas von der Innenwe

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